Almunecar Dezember 2015

20.12.2015

06.12.2015

Seit einer Woche sind wir zurück aus dem andalusischen Sonnemekka. Nachdem vor 4 Jahren eine der trockensten Regionen Europas im Dauerregen versank, wollten Andi, Holger, Ralph und ich der Sache eine neue Chance geben. Den Flug hatten wir schon letzten Winter gebucht, waren also auf den Zeitraum festgelegt. Leider mussten Holger und Ralph absagen, dafür sprang Klaus ein, den wir vor Ort treffen sollten. Der Flug ging mit AirBerlin von Düsseldorf nach Malaga. Am Flughafen gings per Mietwagen an der Küste entlang ins knapp eine Stunde entfernte Almunecar.

Alle relevanten Tipps hatte uns Mayer in den letzten Wochen schon zukommen lassen, und so war er selbst wohl aufgeregter als ich, der nach dem letzten Reinfall dem Vorhaben noch eher kritisch gegenüberstand. Beim Studium der Wetterlage offenbarte sich eine ausgewachsene Nordlage, die das Fliegen direkt vor Ort erstmal nicht zuließ.

Tag1:

Wie jeden Morgen Briefing mit Leonie und Jarda um 10 Uhr vorm TAO1, eine der Bettenburgen direkt am Strand von Almunecar, in der wir oben im 11. und letzten Stock unser Appartement hatten.  Viel Sonne aber Wind um NW, also erster Ausflug nach Cenes de la Vega, einem NW-Gelände in der Nähe von Granada. Ca. 75 Min. mit dem Auto, aber über die Autobahn sehr bequem zu erreichen. Insgesamt muss man sagen, dass die Autobahnen sehr angenehm zu befahren waren. Relativ wenig Verkehr und moderate Geschwindigkeiten, also genau das Gegenteil von dem, was einen auf deutschen Autobahnen erwartet.

Die Auffahrt zum Fluggelände erfolgt auf der Strasse, die auch zur Sierra Nevada führt, und mit 3480m das höchste Gebirge Spaniens ist. Oben angekommen konnte man gut die schneebedeckten Hänge (auf denen auch Wintersport betrieben wird) erkennen. Eine handvoll deutscher Flieger war schon zugegen, der Wind aber noch zu kräftig. Gegen 15:30 Uhr wurden die Bedingungen besser, sodass es endlich losgehen konnte. Das erste mal Thermikkurbeln seit längerer Zeit mit Blick auf Granada im Westen und Sierra Nevada im Osten.

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Tag2:

Wieder Nordlage, aber schwächerer Wind. Der Tag sah super aus, tolle Cumuli auf dem Weg nach Cenes. Diesmal waren wir die einzigen am Berg. Zum soaren sollte es nicht reichen, das war klar, aber das Wolkenbild versprach zuverlässige Thermik. Als erster gestartet konnte ich mich knapp nicht halten und soff nach 20 Min. ab. Klaus und Andi starteten etwa 15 Min. später, und da stellte sich ein ganz anderes Szenario ein.

An den Südhängen hatte sich gute (Lee-)Thermik mit dicken Cumuli gebidet, die von hinten aus der Sierra Nevada immer dichter wurden. Mit 5m und wenig Vorwärtsfahrt gings nur noch nach oben, und die beiden waren froh, als sie mit Abstiegshilfen am LP ankamen. Beeindruckend schnelle Wetterveränderung, die ich mir so erkläre: Kräftige Leethermik aus den Südhängen gepaart mit leichter Nordlage und dem Wettergeschehen eines im Hintergrund befindlichen Hochgebirges. Als ich startete war schon zu sehen, dass die Cumuli sich zunehmend vereinten, und dann verging nur noch wenig Zeit, bis es am Himmel dunkel wurde. Eine Stunde später löste sich alles wieder auf, und auf der Rückfahrt war wieder bestes Sonnenwetter.

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Tag3:

Wieder Nordlage. ABER, und das konnte man auf den Wetterkarten schon sehen, über dem Mittelmeer hatte sich ein kleines (nur mehrere hundert Kilometer grosses) Zwischenhoch eingestellt, dass mit seiner Rechtsdrehung an der Costa del sol Westwind erzeugte. Endlich fliegen vor Ort und ab nach La Herradura. Um 11:30 Uhr am Start schon strammer Wind. Erste Schaumkronen auf dem Meer. Einige flogen schon, aber die Lage erlaubte keine weitere Steigerung der Windstärke. Andi flog, Klaus und ich warteten auf den Nachmittag.

Butterweiches, laminarstes soaren im Küstenseewind, zunächst etwa 100m drüber mit etwa 0,3-0,5m Steigen. Und nach einer Weile nahm das Steigen langsam zu und pendelte sich bei 1,5m/s ein. Eine Konvergenz aus Seewind und leichter Nordlage hob uns nun langsam auf 300m drüber, immer noch turbulenzfrei und mit einer grandiosen Aussicht auf die Nachbarbuchten. Es trug nun überall, auch auf dem Meer, auf das man weit rausfliegen konnte. Ein erhebendes Gefühl.

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Tag4:

Nordlage, aber starker Wind. Heute war definitv Ausweichpropgramm angesagt. Leonie empfahl den Ausflug zu den heissen Quellen von Alhama nach Norden ins Landesinnere. Auf dem Weg dahin haben wir uns Start- und Landeplatz von Otivar angesehen. Völlig fraglich ob wir in dieser Woche hier fliegen werden, aber wir wollten natürlich wissen, wie es hier aussieht. Durchaus anspruchsvoller LP, der sich wie ein Uboot auf einer nach allen Seiten abfallenden Erhebung befindet. Man sollte ihn besser treffen, weil weiter unten alles schluchtenartig mit Bäumen und schlecht sichtbaren Leitungen mehr oder minder unlandbar ist. 400m drüber befindet sich der Startplatz auf 900m, probemlos.

Weiter gings mit dem Auto nach Alhama. Was eine Gekurve, bis wir endlich die Quellen erreicht hatten. Das kommt davon, wenn man mit einer rheumakranken Altherrentruppe unterwegs ist. 40 Grad warm…nach 10 Min. musste ich raus, bevor mich ein Kreislaufkollaps mit völlig geweiteten Blutgefässen niedergestreckt hätte. Die Rheumatiker genossen noch länger die wohltuende Wirkung, dann gings kurvig weitere zwei Stunden auf den Rückweg. Nach 4 Stunden im Auto war ich von den Kurven schon so belämmert, dass ich bei Rückkehr sofort die Laufschuhe geschnürt habe und an der Küstenpromenade losgelaufen bin.

Abends wie immer lecker essen mit Tapas und grande cerveza. Tapas gibts qausi immer bei jedem Bier automatisch mit dazu. Kalamares, Oliven oder Brot mit Seranoschinken, eine sehr angenehme Begebenheit.

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Tag5:

Nordlage. Dieser Nordwind macht mich fertig. Heute Föhn in Almunecar. Aber bloss nix mit dem Auto, gehen wir wandern. Nachdem Klaus den ordnungsgemässen Ablauf des Geschirrspülvorgangs überwachte hatte konnte es losgehen. Wir sind die ganzen Bergketten von unten bis hoch zum Itrabo abgelaufen. Hat über 4 Stunden gedauert und war wirklich anstrengend. Zumal wir 2-3x den verkehrten Weg genommen haben. Unterwegs haben wir frische Orangen vom Baum verzehrt oder Mandeln gepflückt.

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Tag6:

Nordlage. ABER…schwach. Endlich, fliegen in Otivar. Der Tag sah Bombe aus. Am Startplatz bildeten sich tolle Cumuli. Ca. 25 Flieger hatten sich vor Ort eingefunden. Ruckzuck waren wir in der Luft, und es ging super. 800m drüber, 3-4m Wolkenthermik und überhaupt richtig gute Flugbedingungen. Andi flog bis ans Meer und landete in La Herradura, Klaus und ich landeten am offizellen LP. Vor der Landung war ich angespannt, fremdes Gelände, anspruchsvoller LP. Man muss konzentriert sein, und dann ist es für einen erfahrenen Flieger auch kein Problem. Wenigflieger oder Neulinge würde ich hier eher nicht hinschicken. Ein wunderbarer Tag. Wenn man thermisch fliegen kann in einer Jahreszeit, wo man daheim sonst den Kamin an hat, ist das schon ein tolles Privileg.

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Tag7:

Kein Wind. Es ging wieder in Otivar. So langsam nahm mit Ende der Nordlage der Urlaub weiter an Fahrt auf. Wieder thermisch gutes Fliegen. Leider kam es über dem LP in geringer Höhe zu einer Kollision zweier Schirme. Einer konnte in 30-40m knapp tragend die Rettung ziehen, der andere schlug härter auf, zum Glück, wie sich im nachhinein herausstellte, mit nur leichten Verletzungen.

Tag8:

Abreisetag. Der Flieger ging ja erst abends um 19 Uhr, genug Zeit also um noch Fliegen zu gehen. Mit Wind aus SO war ein Flieger so nett uns zum Loma del gato hochzufahren. Beim Wandertag am Itrabo hatten wir beim Abstieg den SP schon angesehen. In meinen Augen eines der schönsten Gelände weit und breit. Man ist mit dem PKW in 20 Min am Start, trotzdem schön hoch am Berg mit Blick aufs offene Meer. Oft gute Thermik und danach Abflug zum Strand zum Hochhaussoaren. Es ging so früh zwar nur 200m thermisch drüber, aber beim Abflug zum Strand an den Bettenburgen entlang zu soaren war ein schönes Erlebnis zum Abschluss unserer Reise.

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Fazit: Eine schöne Reise ins sonnengeflutete Andalusien. Vor allem bei Südlagen bieten sich hervorragende Flugmöglichkeiten, die vor dem Hintergrund, dass daheim tiefster Winter ist, nicht viele Wünsche offen lassen. Wiederholungsgefahr: hoch.

Hasta luego.

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