April 2013

28.04.2013

Da lieg ich vor ein paar Tagen bis 14 Uhr entspannt auf meinem Sofa rum, als der Himmel plötzlich aufreisst und die Sonne zum Vorschein kommt. Das es thermisch werden würde konnte ich dem Wetterbericht entnehmen, aber da nur Schlappwind angesagt war habe ich auf jegliche Flugversuche verzichtet. Der Sonnenschein war aber zu verlockend, aber wohin auf die Schnelle? Hahnberg ist das naheste Ziel für mich, ist aber ein Nordstartplatz und der Wind kam aus SW. Andereseits, der ist so schlapp, vielleicht kann man Thermik von den vorgelagerten Feldern erwischen und aufdrehen.

Knapp 45 Min. später stand ich oben am Startplatz. Die Wolken zogen langsam aus SW, leichte Rückenwindphasen also oben am Start. Vorm Start kondensierte ein kleiner Fetzen  Cumulus, auf der Westflanke deutlich mehr Wolkenwachstum. Ich legte den Schirm aus, machte mich in Ruhe fertig, hängte mich ein, und plötzlich Windstille. Das Bänderl am Windmast hing schlapp nach unten. Jetzt am besten nicht lange fackeln und raus der Schneise, bevor es wieder von hinten windet. Vollkommen problemlos kam die Kappe nach oben und ich war draussen. Es konnte nur eine Chance geben, gleich rüber auf die Westflanke die super in der Sonne stand. Und wie bestellt, als ich rüber fliege fängt das Vario an zu piepsen und hört erst an der Basis bei 1600m wieder auf. Wahnsinn, was ein Glückstreffer, mein Bart und ich mitten drin. So hoch war ich noch nie hier, umso verrückter dass es dieses mal mit Wind aus der überhaupt nicht passenden Richtung geklappt hat. Egal was jetzt kommen sollte, der Tag war im Grunde schon gerettet. Sofa – Basis, in 60 Minuten, geilomat.

Mit dem SW-Wind, der auf Basishöhe mit ca. 10-15 kmh daher kam, konnte ich noch ein kleines Streckenflüglein machen. Vor Kleinern konnte ich nochmal zur Basis aufdrehen, mit dem Edersee zur linken bin ich bis kurz vor Böhne geflogen, wo mich eine Abschattung gefressen hat. Aber was für ein schöner, kleiner Flug, den ich so schnell nicht vergessen werde.

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25.04.2013

23.04.2013

Was für eine tolle Wetterlage letzte Woche. Ich war eine Woche in der Schweiz im Kanton Graubünden, genaugenommen in Fanas. Warum Fanas? Nun, es braucht zu Revisionszeiten der Bergbahnen eine Möglichkeit auf den Berg zu kommen, und das Gebiet muss streckenflugtauglich sein. Alles das ist dort gegeben. Ich war ja mit Andi und Ralph auf der Durchreise schonmal da ohne richtig fliegen zu können, aber da war schon klar, hier muss es gut sein.

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Fanas liegt ja hoch droben am Berg oberhalb des Ortes Grüsch, und ich hatte mich noch weiter oben einquartiert, in einer lauschigen Pension mit eigenem Startplatz vor der Tür. Besser ist es natürlich vormittags zum Eggli hochzufahren, dort ist der Thermikeinstieg gewiss. Am ersten Tag (Sonntag) habe ich mich 3,5 Std. eingeflogen, bin etwas das Tal entlang geflogen und habe im Westen die grosse Rheintalquerung ausprobiert. Das ist ein grosser Talsprung von ca. 8km Länge, halb beschleunigt mit dem Mentor aber kein Problem, wenn man vorher noch Höhe gemacht hat. Der Sprung mündet in einer perfekt südlich ausgerichteten Felswand, an der man gleich wieder aufdrehen kann. Der Weg ist dann frei zu den Churfürsten am Walensee.

Am Montag waren die Bedingungen wieder sehr brauchbar, Blauthermik den ganzen Tag, und am Start richtig was los. Leider war der Startplatz eine ziemliche Schlammgrube aus Tauwetter und Schnee, gepaart mit Rückenwind wegen der immensen Schneemassen weiter oben. Dazu sehr viele Piloten und relativ wenig Platz. Es hat mich auf jeden Fall richtig gestresst, nirgends konnte man sich in Ruhe fertig machen, alles rutschig, dann ständiger Wechsel aus Null- und Rückenwindphasen, und die drängelnde Fliegermeute im Rücken. Versuch mit Vorwärtsstart, dank vielen Schnees missglückt, der Schirm ist dann über mich gefallen mit Leinenüberwurf usw, es war ein Gräuel. Im steileren Hang im Schnee mit verhedderten Leinen wieder hochgestapft, das alles in warmer Michelinmännchenmontur, das war kein Spass.

Zum Glück hat mir ein freundlicher Flieger noch schnell geholfen beim Leinen sortieren, aber ich musste erstmal alles wieder abschnallen. Im zweiten Anlauf hats dann geklappt, aber ich war schon total abgenervt.  Der Flug war dann allerdings gut, bin das Tal nach Südosten bis nach Klosters geflogen, dort gewendet und zurück zum Eggli, Weiterflug üben den Vilan ins Rheintal mit dessen Querung bis nach Walenstadt am Walensee. Zurück nach Fanas habe ich es nicht mehr geschafft, musste im Tal landen. 85 km flaches Dreieck. Der Tag hätte noch mehr hergegeben, aber ich hatte schlicht keine Energie mehr. Aber kein Grund zu jammern, der Flug hat Spass gemacht.

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Dienstag wollte ich Radfahren. Der Wetterbericht sah mau aus, das sollte wohl nix gescheites werden. Egal, ich hatte mein Bike dabei, kein Problem also. Um 9 Uhr fuhr ich den Ort runter, der Schirm war im Auto, und ich hielt kurz an der Seilbahn an. Keine Menschenseele da, die Bahn ruhte, das Kabuff war zu. Wetter sah aber freundlich aus, die kleinen Cumuli bewegten sich auch sehr langsam, ich glaube ich fahr doch mal hoch, vielleicht ist ein kleines Flüglein drin. Den Seilbahnmeister aus seinem Werkstattkeller geholt, und der hat mir dann die Bahn angeworfen. Hach die Schweizer, so herrlich entschleunigt, man versteht zwar nur die Hälfte, aber egal. Oben angekommen dann der magic moment. Wo die letzten beiden Tage noch richtig Bambule war friedliche Stille, Sonnenschein u. die ersten Cumuli. Sollte das keiner bemerkt haben, wie gut dass nun doch zu werden scheint? Es war ausser mir keine Menschenseele vor Ort, wie geil ist das denn?

Ganz gemütlich habe ich mir eine schöne trockene Stelle zum Schirm auslegen gesucht, hab mich ganz in Ruhe fertig gemacht, die Cumuluswolken standen über den Gräten, es sah wirklich gut aus. Um 11 uhr bin ich raus, diesmal gibt es keinen Dummy der anzeigt, ob es schon trägt. Aber das Wolkenbild ließ keinen Zweifel zu, das wird gehen. In einer schönen Phase kontrollierter Rückwartsstart und vollkommen tiefenentspannt rausgestartet, was eine Wohltat nach dem Stress der beiden Tage zuvor. Die Südostgräte hat mich sogleich aufdrehen lassen und ich konnte losfliegen. Der Unterschied zu gestern, Wolkenthermik, und die Flieger wissen wieviel schöner sich das fliegen lässt als Blauthermik. Total gutes Steigen mit 3,5 – 4m, dabei alles ganz sanft und viel weniger ruppig als am Vortag, es war ein Genuss. Wieder bis Klosters runter, der Flugraum Prättigau war mein. In Klosters gesellte sich dann ein Tandem zu mir. Zusammen flogen wir am Talende ganz weit hinten in die tief winterliche Alpinlandschaft hinein. 500 Drilliardenkubiktonnen Schnee, es war einfach nur gigantisch. Nach 3 Stunden landete ich voller Freude am LP in Grüsch. 30km kürzer als am Vortag, aber auch 30km mehr Flugspass, manchmal ist es verrückt. Erwarte nichts und bekomme alles, vielleicht es das.

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Mittwoch war ich dann wirklich Radfahren. Bin rüber nach Walenstadt, hab dort mein Radl ausgepackt und bin am Walensee entlang gefahren. Oben an den Churfürsten wurde fleissig geflogen, war ja auch Flugwetter, aber nach 3 Flugtagen umd 200km brauchte ich mal ne Pause.

Am Donnerstag letztes gutes Flugwetter vor der Wetteränderung. Wieder viele Piloten am Startplatz, der langsam etwas besser wurde. Durch die schönen letzten Tage war viel Schnee geschmolzen und die nassen Stellen abgetrocknet. Es trug erst relativ spät so richtig gut, nach 12 Uhr bin ich erst rausgestartet. Mein Plan war nochmal weit zu fliegen. Standardroute erstmal wieder an Klosters vorbei hinten rein ins alpine Schneegetümmel, dort gewendet und zunächst zurück nach Fanas.  Nach der Wende bin ich noch an Klosters vorbei wieder das Tal hoch, aber die Wetteränderung war im vollen Anmarsch. Nicht dass wir uns falsch verstehen, es war noch Flugwetter, aber es war ausserordentlich labil. 5-6m integriertes Steigen, das mag sich noch nicht bedrohlich anhören, aber da waren auch Spitzen von 8-10m drin, Frühjahrsthermik halt. Beim verlassen der Bärte wusste ich, gleich kommt der Abwind und dann rappelts wieder. War natürlich so, unbeschleunigt auch kein Problem mit dem Mentor, aber wenns dir die Tüte da oben dann öfters frontklappermässig zusammenhaut ist mein Spass irgendwann vorbei. Nach 2 Std. bin ich ins Tal rausgeflogen, musste dabei noch durch richtige Steigwerte und bin dann draussen abspiralt und mit der Bahn heimgefahren.

Am Abend war ich dann für 25 Euro essen. 3 Gänge Menü? Nene, in der Schweiz reicht das gerade mal fürn Röschti mit Speck und Zwiebeln und ein Bier. Freitagmorgen bin ich im Regen abgereist, hat alles gut gepasst, 5 Tage am Stück tolles Flugwetter, wann hat man das schonmal. Und die 10 Fränkli die ich noch habe werde ich mal aufheben, so als Notgroschen fürs nächste mal.

 

08.04.2013

Selten so eine Ratlosigkeit unter den Fliegern erlebt wie am Samstag. Da sollte sich am Sonntag der beste Flugtag des bisherigen Flugjahres einstellen mit tollen Steigwerten unter Hochdruckeinfluss und Sonnenschein, leider ohne den für unsere Mittelgebirge nötigen Grundwind, der erstmal ein oben bleiben am Hang ermöglicht. Wohin also zum Fliegen?

In meinen Augen ein klarer Windenschlepptag, aber find mal ein thermisch ansprechendes Gelände, wenn man nicht bis ins Alte Lager oder nach Cottbus fahren möchte. Andi, Ralph, Helmut und ich sind zum Schleppgelände Alsfeld Flugplatz gefahren, Klaus u. Maurice haben es in Sondershausen am Frauenberg versucht, Christian Schleppgelände Bad Wildungen und Mayer ist in Kella hochgestiefelt. Seltene Streuung die zeigte, das wir nicht so recht wussten, wo der Erfolg in den begehrten Thermikeinstieg am grössten sein würde.

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Letztes Jahr im Mai hatte ich ja meinen Jungfernflug in Alsfeld (klick), als mich der erste Schlepp gleich in einen schönen Thermikbart entlud und mich die Aufwinde im Weiterflug erst 4km vor der thüringischen Grenze wieder am Boden absetzten. Vor Ort schnell die üblichen Gastfliegermodalitäten erledigt (4 Euro pro Flug) und dann um 11:30 Uhr den ersten Versuch gemacht. Es reichte noch nicht zum oben bleiben, aber man merkte, die Luft hat eine gewisse Labilität. Nach mir sind Andi und Ralph raus, auch ohne grösseren Erfolg, aber Helmut, der 4. im Bunde, hat gleich ne gute Phase erwischt und ward dann 1,5 Std. nur noch an der Basis der umliegenden Orte rund um den Flugplatz gesehen.

Mein 2. Versuch war dann deutlich besser, im Grunde hatte ich schon guten Anschluss, aber dann hats mich nach 17 Min. doch noch versenkt. Danach ging erstmal ne Weile nix mehr. Der Wind kam schon grob aus der passenden Richtung, aber da sind zwischenzeitlich Böen durchgefetzt, dass kein sicheres Starten mehr möglich war. Als es endlich ruhiger wurde, Helmut war schon gelandet und Andi u. Ralph packten zusammen, war das beste natürlich vorbei, aber zumindest starten war nun wieder gut möglich. Ich machte noch einen letzten Versuch, klinkte aus und befand mich im 2m Steigen. Bis 1100m konnte ich aufdrehen und ein kleines 12km Flüglein war noch drin. Ich habe es leider nicht geschafft bis zur Basis zu kommen, seis drum, hat trotzdem noch Spass gemacht.

Dieses mal leider keine Flugbilder, hatte nur die Knipse vom Smartphone mit. Mein Foto liegt noch im Hessischen Rundfunk rum :-P.

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