August 2012

24.08.2012

Mitte August wird es mit thermischem Streckenfliegen aufgrund kräftiger Inversionen über den Alpentälern schon deutlich eingeschränkter mit der Fluggebietsauswahl. Es kann eigentlich nur hochgelegene, inneralpine Startplätze geben, an denen noch so richtig die Luzi abgeht. Mit dem Eggishorn in der Schweiz und dem Speikboden in Italien stehen auf jeden Fall jedes Jahr aufs neue zwei Top Fluggebiete zur Auswahl. Um ein Haar wären wir in die Schweiz gefahren, haben uns dann aber doch für Italien entschieden. „Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien“, wenn ich an dieser Stelle mal einen berühmten Fussballer zitieren darf.

spicco1

Der Jetstream hat auf jeden Fall pünktlich zu Urlaubsbeginn die Bahn frei gemacht für ein fettes Azorenhoch, und so bin ich mit dem Andretti letzte Woche Montag gen Sand in Taufers aufgebrochen. Ralph der alte Windenverweigerer vom AFS-Club war noch dienstlich unterwegs, wollte aber Mitte der Woche nachkommen. Dienstag und Mittwoch war das Wetter noch mässig, man konnte schon a bissl rumfliegen, aber was grosses war das noch nicht. Nach Start am Speikboden sind wir in Ahornach topgelandet, wurde aber auch am Nachmittag nicht viel besser.

Leider mussten wir am Mittwoch einen schweren Starrflüglerunfall mitansehen. Der Pilot hatte beim Start direkt oben an der Bergbahn die rechte Flügelspitze am Boden verhakt und ist dann in Rotation ca. 15m tief in felsiges, steiles Gelände abgestürzt.

Am Donnerstag haben Andi und ich vor der nahenden Kaltfront eine 4-stündige Dolomitenausfahrt gemacht. Über Bruneck nach Badia, vorbei am gigantischen Heiligkreuzkofel (südlicher Wendepunkt der grossen FAI-Dreiecke vom Speikboden), vorbei am Falzaregopass nach Cortina D’Ampezzo, über Toblach dann zurück ins Tauferer Tal. Über Toblach war dann Land unter, die Kaltfront war da mit Starkregen, Blitz und Donner und 12/8 Bewölkung.

Ich hab mich dann in der Pension 2 Stunden aufs Ohr gehauen, und als ich aufwachte und aus dem Fenster sah war der Himmel stahlblau und die ersten Cumuli bildeten sich. Verrückt, wie schnell die Rückseite da war, Zeichen für das fette Hoch mit trockener Luftmasse im Schlepptau. Wir sind sofort nach Ahornach hochgefahren, und als 3 Geier an den unteren Baumreihen innerhalb von 3 Min. an der Basis waren, wussten wir, da geht noch was. So richtig ging aber dann doch nix, nach ner halben Stunde war der Spass vorbei. Aber dafür, dass 2 Std. vorher die Welt noch unterzugehen drohte war der Ahaeffekt nicht schlecht.

Für Ralph hatten wir derweilen noch ein lauschiges Einzelzimmer organisiert. Er mags gern rustikal und altbacken, da konnten wir auf jeden Fall fündig werden 🙂 Im August sind in Italien noch Sommerferien, da ist es wirklich schwierig eine Unterkunft zu bekommen. Unsere favorisierte Pension war leider schon bis unters Dach ausgebucht.

spicco2

Am Freitag war denn endlich TopWetter. 4-5 Std. Streckenfliegen bei thermisch ansprechenden Bedingungen, das war klasse und hatte richtig was mit Fliegen zu tun. Am Samstag wars dann schön, aber viel zu nordwindig. Bei 20kmh ist mir alpines Fliegen zu wild, bin nach einer Stunde landen gegangen, die Jungs ebenso. Nachmittags konnten wir aber am Kronplatz nochmal bis knapp 3000m aufdrehen, ist stets ne gute Alternative bei zuviel Nordwind.

Sonntag wars zu Beginn sehr zäh, bei leichtem Nordwind sind wir über die Nordseite gestartet, und man musste unter Grad in dem Ostkessel neben der Bahn nach Thermik suchen. Ralph ist gleich abgesoffen, Andi und ich konnten uns langsam ausgraben und Höhe machen. Wir querten rüber ins Pustertal, wo es thermisch ging, aber die Thermik war wirklich nur mässig. Ich bin dann unmotiviert zum LP geflogen, ein Fehler wie sich später herrausstellen sollte. Andi hatte sich durchgebissen, und der Tag wurde immer besser. Als Ralph und ich am Badesee in Gais die Basis begutachteten wussten wir, dass wir das heute irgendwie verschissen hatten. Und als Andi nach 5,5 Std. und 90km an der Pension gelandet war, und eine MaxHöhe von 4600m hatte war klar, da hatten wir einen echt guten Tag verpasst.

spicco3

Zum Glück war die Prognose für Mo auch noch richtig gut, und genauso kam es. Die versammelte XC-Elite war am Start und startete früh. Es ging noch zäh, wurde dann aber immer besser. Als wir um 12:30 Uhr starteten war die Basis überm Monte Spicco schon bei 3800m. Wir querten ins Pustertal, waren nach einer Stunde schon am Gitsch, und weiter gings nach Sterzing. Ein herrlicher Blick zum Wilden Freiger in den Stubaier Gletschern und zum Brenner. In Sterzing gewendet und wieder zurück. MaxHöhe immerhin noch bei über 4200m, und es ging wie die Wutz, was ein gigantischer Tag. An diesem Tag ist auch das Video entstanden. Wie selten sind diese Tage, und dann muss man noch die Möglichkeit haben, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Letztes Jahr sind Andi und ich schonmal auf 4400m gewesen, welch Glück, dass es dieses mal schon wieder so hoch ging, der trockenen Nordlage sei dank.

spicco4

Falls mich die Tage jemand anruft, ob ich mit nach Aue will, NEIN, ich will nicht…dafür bin ich in Gedanken noch überm Alpenhauptkamm.

Andi und Ralph sind nachmittags noch gen Heimet aufgebrochen, ich bin am Dienstagmorgen gefahren. Ich wollte mir unbedingt noch einen Wunsch erfüllen und zur Zugspitze hoch, ich war nämlich noch nie da. Übern Fernpass war der Umweg überschaubar. An der Kasse ist mir allerdings alles aus dem Gesicht gefallen. Auf- und Abfahrt kosten unglaubliche 49,50 Euro…Wahnsinn. Wenn man vom Speiki kommt und mit 3 Fahrtenkarte für 8 Euro auf 2400m gefahren ist ist man bei diesem Preis erstmal geschockt. Egal, ich wollte endlich mal da hoch. In 7 Minuten gelangt man von rund 900m auf 2962m, und die Fahrt lohnt sich. Der Gipfel ist oben total verbaut. Habe auf Wikipedia gelesen, dass man sogar mal einen Geldautomat installiert hatte, der aber wieder entfernt wurde. Die Rundumsicht allerdings ist atemberaubend. Man kann über den Alpenhauptkamm bis in die Dolomiten sehen, die Marmolada war deutlich zu erkennen.

Oder man schaut nach Westen zum Nebelhorn, oder nach Norden zum Tegelberg, egal, die Aussicht ist rundherum grandios, erst recht wenn die Luft sehr trocken oder föhnig ist. Am Dienstag war es ja etwas diesig. Ich Blödbommel hatte leider meinen Foto im Auto vergessen und nur die Handyknipse mit. Mit dem Ticket ist es möglich zum Gletscher runterzufahren, oder die Zahnradbahn zu benutzen, die einen Teil durch den Berg fährt. Von der österreichischen Seite (Ehrwald) kann man, aber das habe ich erst oben erfahren, für 36 Euro zum Gipfel auffahren, allerdings ohne die Zusatzfahrten zum Gletscher usw.

zs1

Über einen kleinen Klettersteig kann man dann den gesicherten Bereich verlassen und auf den eigentlichen Gipfel aufsteigen, hab ich mir noch gegeben. Ist toll und irgendwie ein kleines Abenteuer. Nein, es bleibt dabei, ich will nicht nach Aue. Zurück ins Sendezetrum.

 

12.08.2012

Fliegen wird völlig unterbewertet.

kella8
06.08.2012

Eigentlich wollten Andi und ich am Samstag Dielmissen ausprobieren, aber mein neues Tool, pc_met vom Deutschen Wetterdienst, sah eindeutig bessere Thermikverhältnisse im Osten vor. Ausserdem war mir weiter nördlich die prognostizierte Gesamtbewölkung zu dicht, so sind wir doch nach Mihla gefahren. Ralph der alte Startplatzblockierer hat sich ja noch in der italienischen Wallachei rumgetrieben, mussten wir eben ohne ihn los.

Im ersten Anlauf wars noch arg mühsam, Andi und ich sind fast ne Stunde auf Tannenzapfenhöhe durchs thüringische Unterholz gedümpelt, der entsprechende Bart wollte einfach nicht durchziehen. Hangnahes Fliegen selbstverständlich nur mit Zeckenschutzimpfung. Ich wollte heute unbedingt an die Basis und hatte extra von Oma die warmen Wollsocken an, entsprechend durchgeschwitzt bin ich bei sommerlich heissen Temperaturen erstmal gelandet.

Andi jammerte schon rum, dass wird nix mehr heute…Ich sah das ganz anders, ok, man kann daneben liegen, aber Wind und Thermikansätze waren mehr als brauchbar, zudem klarten die Cirren im obersten Stockwerk immer mehr auf. Ich sagte noch zu Andi, heute gehts noch an die Basis, also neuer Versuch. Westlich vom Start liegt dem Hang vorgelagert ein herrliches Kornfeld in einer leicht windgeschützten und damit der Thermikbildung begünstigten vertieften Stelle. Ein paar mal bin ich im ersten Anlauf noch drübergeflogen, aber dieses mal löste der Bart endlich ab und wir mittendrin!

Ohne Umschweife gings direkt bis 1800m Meter, wo die Basis noch nicht ganz erreicht war. Kurz überlegt mit dem Wind wegzufliegen, und dann doch in der relativen Nähe zum Fluggelände ein 10km FAI-Dreick abgeflogen. Das Thermikfliegen ist das, was man an den Schlechtwettertagen am meisten vermisst, so schön auch ein Soaringflug sein mag. Aber im Bart aufzudrehen ist einfach das Schönste, und dann kann man mit richtig Höhe auch wirklich mal rumfliegen. Es gibt einfach nichts schöneres.

Und wenn ich mir die Bodendruckkarte so ansehe ab Mitte/Ende der Woche, dann kommt ne Nordlage rein die am WE auf Ost dreht, da geht doch was mit Thermikfliegen…hoffentlich! Kontinentale Luftmassen unter Hochdruckeinfluss wär ne Ansage, die uns so richtig beglücken könnte. Bis dahin erstmal zurück ins Sendezentrum.

mihla4

Top