Fanas & Flims 2010

Ralph, Andi und ich waren ein paar Tage in der Schweiz. Eine kleine Reise mit nicht ganz so vielen Flugstunden bei mittelprächtiger Wetterlage, aber vielen kuriosen Erlebnissen, Spass und Entdeckungen. Mittwochnachmittag gings gegen 16 Uhr los. Plan war zunächst Richtung Bodensee zu fahren, dort zu übernachten, und am nächsten Morgen nach Fanas im Prättigau zu fahren. Gegen 21 Uhr fuhren wir schon in Dunkelheit durch Bregenz und begaben uns auf Pensionssuche, was sich ausserordentlich schwierig erwies. Irgendeine Pupsmesse sorgte dafür, dass im Umkreis rund um den Bodensee kein Zimmer zu kriegen war, weder in Bregenz, noch in Dornbirn. Im nächsten Nest sind wir dann doch noch fündig geworden, eine kleine unscheinbare Absteige ohne Dusche und WC auf dem Zimmer liess uns doch noch aufatmen, ich sah uns schon die Nacht im Auto verbringen.

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Eine Stunde Suche war da locker schon vorbei und wir wollten noch einen kleinen Umtrunk in dem Lokal nebenan einnehmen, wo man uns nach dem Bier noch nen Williams-Birne anbot. Ich weiss jetzt warum, 18 Euro für drei Schnäpse und eine Gesamtrechnung von 40 Euro (jeder 1-2 Bier und den Schnaps) hinterliessen schonmal einen Vorgeschmack auf Schweizer Preise.

Duschen am nächsten Morgen war dann ausserhalb des Zimmers möglich, warmes Wasser zunächst Fehlanzeige, aber es fand sich noch eine andere Dusche aus der warmes Wasser sprudelte. Dem Rheintal folgend gings ab nach Fanas, welches schnell erreicht war. An der Bahn konnte man schonmal nicht mit Euro bezahlen, blieb nur das Zahlen mit Karte übrig. Eine kleine Bahn fuhr einen hoch und nach 5 Min. Fussmarsch stand man am wunderschönen Südstartplatz Eggli (siehe Bilder). Rundherum überall Bergketten, greifbar nah und schnell anfliegbar, wie gemacht um schöne geschlossene Aufgaben zu fliegen. Leider nicht an diesem Tag, dafür waren einfach zu viele thermikstörende Schleierwolken da, sodass der Flug nur eine knappe halbe Stunde andauerte. Im nächsten Sommer steht dieses Fluggebiet aber bei guter Wetterlage wieder ganz oben auf meiner Wunschliste. Wer tolle Panoramen liebt wird hier sicher fündig. Dazu ein traumhaft schöner Wiesenstartplatz unterhalb einer kleinen Blockhütte. Die Bergketten nach Süden sind sehr nah, was zum Fliegen toll ist, dadurch ist das Tal jedoch relativ eng. Ich schätze im Sommer fegt dort ein kräftiger Talwind durch, dass muss man wissen.

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Nachmittags gings weiter ins 40km entfernte Flims. Flims liegt oberhalb des Rheintals auf einem Hochplateau auf 1081m und ist im Winter ein Skieldorado. Nach Auskunft an der Touristinfo haben wir für Schweizer Verhältnisse ein relativ günstiges kleines Hotel gefunden mit Wlan und Dreibettzimmer! Na, da das kann ja heiter werden, drei Flieger mit Käsemauken und Knoblauchfahne in einem Zimmer, na gute Nacht 🙂

Günstig ist wie gesagt relativ, ca. 44 Euro pro Person ist für die Schweiz auf jeden Fall ein guter Preis. In Österreich kann man für das Geld zwar 2x nächtigen, aber wir sind ja wie gesagt in der Schweiz. Notebook aufladen ging auf dem Zimmer schonmal nicht, der dicke Stecker des Kabels passte nicht in die Steckdose. Na suuuper, mind. zwei Internetjunkies (ich) die ohne Fernseher leben können aber nicht ohne Computer schauten schonmal reserviert. Zum Glück konnte ich vom Wirt einen Adapter ausleihen, das war schonmal gerettet. Kein Euro, andere Steckdosen, sag mal, sind wir in Mitteleuropa oder in Usbekistan, unglaublich.

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Naja, wenn die Preise hoch sind gibts bestimmt ein tolles Frühstück am nächsten Morgen. Hmm, ein kleines Hörnchen + Weissbrötchen für jeden und abgepackte Marmelade. Wurst und Käse erstmal Fehlanzeige. Auf Nachfrage brachte uns die Dame dann doch noch einen kleinen Teller mit Wurst und Käse. Wer an eine ausgewachsene Portion für 3 hungrige Jungs denkt, die den ganzen Tag an der Luft sein werden und sich entsprechend stärken wollten ist schief gewickelt. Die Wurst war so dünn, dass man die Zeitung durch lesen konnte und der Käse in homöopathischer Dosierung. Nach strengen Regeln erfolgte die Aufteilung am Tisch, jeder durfte sein Brötchen zu 1/3 mit Käse belegen, dazu etwas Wurst. Sehnsüchtig dachte ich an das reichhaltige Frühstücksbuffet im Südtiroler Moarhof und knabberte an meiner Weiss-Semmel rum.

EGAL, ab gings zur Bahn, die in drei Sektionen an der senkrecht abfallenden Steinwand des beeindruckenden Flimsersteins zum Startplatz Cassons hochfuhr, der auf 2700m! liegt. Ich bin noch aus keiner grösseren Höhe gestartet. Beim letzten Umsteigen bat ich einen Holländer ein Bild von uns dreien zu machen. Trotz vorher erklärtem Schusswinkel fuchtelte er mit meiner Kamera in den komischsten Blickwinkeln umher, sodass ausser ein paar unbrauchbaren Bodenaufnahmen nicht viel gescheites bei rumkam. Ist halt doch nicht so einfach mit dem Fotografieren. Und als ein älterer Herr nebendran noch meinte: „Ah, letztes Foto vor dem Absturz“, wurde es dann doch Zeit mal zum Startplatz weiter zu fahren.

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Oben angekommen erwartete uns ein Panorama allererster Kanone (siehe Bilder). Die Höhe merkte man sofort, es war kalt. Schnell noch ein paar Klamotten drüber und erstmal die geniale Kulisse bestaunen. Zum Startplatz stapft man dann noch 10 Min. durch Schnee, um was vorzufinden? Na? Seitenrückenwind. Toll. In Böen bis 24kmh, ich habs gemessen. Hochalpines, schroffes Gelände mit 20er Rückenwind. Ich hätte nicht gedacht, dass an diesem Tag noch an Fliegen zu denken war. Am Start waren nur 2-3 Flieger, von denen 2 abwinkend zur Bahn zurückgingen. Wir harrten der Dinge bis zum Nachmittag, und der Wind wurde tatsächlich noch schwächer, aber immer noch von der Seite. Der Startplatz erlaubt ein seitliches rausstarten, es darf nur nicht zu stark sein, sonst wirds leeig. Nach etwas basteln gelang es uns und wir hatten das Fluggebiet fast für uns allein. In dem Kessel vorm Start standen schöne Bärte, die man bis zur Basis auskurbeln konnte. Den Flimserstein darf man vertikal und horizontal mit einem Abstand von 300m anfliegen, absolut beindruckend. 1,5 Stunden Flugspass vor Ort mit tollem Panorama, sehr empfehlenswert.

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Im Flur vor dem Zimmer unserer Unterkunft stand ein Ledersofa. Von dort konte man das Wlan aus dem Rezeptionsbereich noch empfangen. Und als ich abends mit dem Notebook die Wetterlage checkte ging eine Demenz-Omi aus dem Nachbarzimmer im Treppenhaus ziellos die Treppen auf und ab. Im Zimmer zurück hörte man alle paar Minuten das Knacken des Schlüssels von innen. Sie hatte vermutlich jedesmal vergessen, dass sie schon abgeschlossen hatte.

Der Samstag war dann wieder ziemlich wolkenverhangen, sodass an echtes Fliegen nicht zu denken war. Mittags traten wir die Heimreise an. Im Gepäck nicht die Flugausbeute vergangener Reisen, aber vier Tage guter Laune, neuer Eindrücke, toller Panoramen und schöner Fluggebiete. Wer mal in der Nähe des Bodensees am Fliegen ist (z.B. Andelsbuch) sollte einen Abstecher nach Fanas und Flims machen, es lohnt sich.

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