Juli 2014

21.07.2014

Bin zurück aus den Südalpen mit viel Sonne und teils windigen Nordlagen. Dienstag hatte ich zunächst Bernhard in Rosenheim besucht. Mittwochmorgen um 7 Uhr Weiterfahrt ins Tauferer Tal, Fahrtzeit von Rosenheim knapp 3 Stunden. Gegen 11:30 Uhr bin ich am Speikboden gestartet. Die Lage ist am Hauptkamm ziemlich exponiert, der Nordwind darf also nicht zu stark sein. War er auch nicht, er fühlte sich sogar schwach an. Kurz nach dem Start habe ich gleich einen Klapper kassiert, und beim ersten Aufdrehen war dann klar, das geht heute gar nicht. Wenn kühlere Luftmassen vom Norden in die Südalpen runterschwappen reicht auch schwächerer Wind, um es föhnig zu machen. Und so fühlte es sich in der Luft auch an, föhnig, leeig und turbulent. Bin sofort raus ins Tal geflogen, abspiralt und gelandet. Bei der Hitze konnte ich es am See in Gais aber gut aushalten.

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Donnerstag die selbe Prognose, ich hab gleich auf jegliche Flugversuche verzichtet. Alternativprogramm für den Vormittag war wandern, solange es noch nicht so heiss ist. Bin hoch nach Ahornach gefahren, dort haben mehrere italienische Flugschulen geschult und dort war richtig Alarm. Was für ein Gewusel, habe dort noch nie soviele Leute gesehen. Habe den Wagen dann stehen lassen und bin in Richtung Ahrntal hoch gewandert. Wird dann immer ruhiger und einsamer am geschlängelten Weg.

An einem der letzten Häuser, ich war schon wieder auf dem Rückweg, saß ein älterer Herr vorm Haus und schaute ins Tal. Ein atemberaubender Blick ins Tauferer Tal bis zum Kronplatz. Ich sprach ihn an, ob der tollen Lage seines Häuschens. Er war zunächst noch etwas wortkarg, kam dann aber langsam mit mir ins Gespräch. Und dann hat er mich zu sich auf die Bank vorm Haus eingeladen. Was für eine Ruhe fernab des Treibens im Tal. Dann hat er mir selbstgemachten Käse gebracht, und von den Kräutern erzählt, die um sein Haus wachsen. Kleinblättriges Weidenröschen, das ist seine Geheimwaffe, die noch sämtliche Gebrechen geheilt hatte.  Und der 1 Jahr gereifte Bergkäse, den er nur zum Eigenbedarf herstellt, war natürlich zum Niederknien. Es braucht nicht viel, um es sich gut gehen zu lassen, immer wieder verblüffend. Nur alle 2 Wochen fuhr er mal runter ins Tal, um einzukaufen, mit vielen Dingen konnte er sich noch selbst versorgen.

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Erst nach einer ganzen Weile habe ich mich verabschiedet, bin zurück zum Auto und fuhr wieder runter. Den Nachmittag habe ich wieder am See verbracht, ohne Abkühlung war es ohnehin schwer auszuhalten. Freitag war die Flugchance wieder da, fraglich blieb weiterhin der Nordwind. Die Luftmassendifferenzen hatten sich nun ausgeglichen, föhnig sollte es damit nicht mehr sein. Nach Aussteigen aus der Bahn habe ich gleich gemerkt, es bläst wieder gut aus Nord. Da war ich  so langsam doch ziemlich genervt. Eine Anfang der Woche gute Prognose hatte sich damit immer mehr verschlechtert. Der Kern des Hochs verschob sich  zusehends über Deutschland, sodass die Alpen genau am Randhoch lagen, was stets mit Windzunahme einhergeht.

Gegen Mittag liess der Wind am Startplatz zum Glück nach, sodass man starten konnte. Die Thermik war kräftig und die Basis war hoch, ruckzuck war ich über 3000m um zur ersten Querung zu starten. Mit 65-70 kmh unbeschleunigt hats mich in Rekordzeit rüber geschoben, da war mir schon klar, dass werden heute nicht meine Bedingungen. Mit einem 20er Nordwind auf der Südalpenseite kann ich auf jeden Fall nicht dauerhaft entspannt fliegen. Ich wollte aber nicht zu früh aufgeben und bin die übliche Flugroute nach Westen Richtung Eidechsspitze geflogen. Mann konnte schon auf 3500m fliegen und die Thermik knatterte ordentlich. An einer markanten Felsspitze vorm Winnebachtal wollte ich wieder Höhe machen, aber der Bart hat mir den Zahn gezogen. Hohe Steigwerte mit kräftigem Wind bei ständigem Leekurbeln ist meine Sache nicht. Bin umgedreht, habe nur noch sanftere Huckel angesteuert und hatte dann insgesamt noch einen recht schönen 30km Rundflug.

Samstag wars dann vorbei mit Nordwind, leichte SW-Lage und damit endlich angenehme Flugbedinungen. Ich wollte auf jeden Fall stundenlang fliegen, habe keinerlei neuen Routen ausprobiert und bin die Standardroute über Sterzing und Rosskopf ins Ridnauntal geflogen. Die Basis war nicht so wie am Vortag, man musste also alles gut auskurbeln, erst recht vor langen Querungen wie über Sterzing. Der Rückweg ging wieder doppelt so schnell, Nachmittags super Wolkenthermik mit hohem Flugspass. Auf dem Rückweg habe ich nochmal kurz gezuckt, ob ich doch noch in die Dolos fliegen soll, aber Lüsen sah schon wieder dermassen welk aus, dass ich die Idee schnell verworfen hatte.

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Am Gitsch musste ich basteln, dieser Berg bleibt mir ein einziges Mysterium. Ich bin da noch nie gestartet, aber allein vom Überfliegen bin ich mir sicher, dass Ding ist richtig anspruchsvoll und nicht zu unterschätzen. Steht da so isoliert rum, wird je nach Lage von allen möglichen Richtungen aus Tal – und überregionalem Wind über/umspült. Man weiss nie so genau wo die Thermik abreisst, keine klaren Abrisskanten, naja. Irgendwann wars mir zu dumm, bin mit wenig Höhe an die Westflanke der Eidechsspitze abgeflogen, aber was soll ich sagen, da beamts einen ja am Nachmittag immer mit Nachbrenner in den Orbit. Ein Segler zeigte vor mir mit übler Schräglage schon an, dass das Tal sich gerade an Warmluft komplett entleerte. Der Rückweg übern Monte Spicko ins Tauferer Tal ist dann stets nur noch Formsache.

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Es war erst 16 Uhr, ich hatte 109km aufm Tacho, und man hätte noch sehr gut ins Ahnrtal fliegen können. Aber ich war rundum zufrieden und bin über Ahornach ins Tal abgeglitten. Am Auto bin ich mit Helmut Blaim, Präsident der Hochfelln-Flieger ins Gespräch gekommen. Zu zweit sind sie am Vortag mit der Nordlage vom Hochfelln übern Alpenhauptkamm ins Tauferer Tal geflogen, und einer von ihnen am heutigen Tage mit der Südlage wieder zurück. Wenn auch nur bis Saalfelden gekommen, so war das doch eine super Idee mit sehr guter Umsetzung, sehr spannend.

Sonntagmorgen Abreise in heimische Gefilde. Und da zeitgleich die Windenflieger aus der Südheide wieder zugeschlagen haben, muss jetzt in bälde mal ne brauchbare Heimwetterlage her. Der Sommer ist noch nicht vorbei, da geht noch was.

 

 

 

13.07.2014

Nachdem die letzten vier Wochen flugtechnisch nicht viel los war, kündigte sich für den gestrigen Samstag eine nette Nordlage an. Endlich wieder Hahnbergfliegen, mein nahegelegenster Flugspot, der sein ganzes Potential mehr und mehr offenbart. Um 11 Uhr bin ich hochgelaufen, außer mir, wie so oft, keiner da. Hat den großen Vorteil, dass man sich am Start richtig breit machen kann, um auf die optimale Phase zu warten. Der Wind war schwach, im Grunde sorgten nur thermische Ablösungen für Bewegung am Start. Gegen 12 Uhr habe ich eine gute Phase genutzt, nicht genug wie sich zeigen sollte. Nach 10min, trotz Messer zwischen den Zähnen, leider abgesoffen. Die Wiesen waren tatsächlich noch etwas feucht, ich war also zu früh. Aber man bekommt schnell ein Gefühl, wie sich die Luft anfühlt. Ich ahnte, das wird noch gut.

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Wieder hoch. Und als ich um 13:30 Uhr starten wollte, sah ich noch den Zahnarzt durch die Schneise hochstapfen. Die Phase war wieder ohne Wolke, aber trotzdem gut. Schnell konnte ich den Bart zentrieren und auf 1000m aufdrehen. Typische Abflüghöhe für den Hahnberg, höher kommt man irgendwie nicht im ersten Bart. Ist mir stets unsicher so niedrig abzufliegen, aber es gab keine Alternative. Westlich von Odershausen steht oft der nächste Bart. Mir ist nie klar warum. Ok, der Untergrund sieht brauchbar aus, aber eine klare Abrisskante ist nicht auszumachen. Egal, endlich auf eine vernünftige Höhe von 1700m aufdrehen und weiter. Vor mir richtige Wolkenstraßen, aber nicht immer in Windrichtung. Ich habe einfach die nächst gut erreichbare Wolke angesteuert, auch wenn sie nicht in direkter Fluglinie war. Das ging ziemlich zuverlässig. Hab den größten Teil des Fluges hoch fliegen können und hab mich immer zwischen 1500-2000m bewegt.

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Nach knapp 3 Stunden bin ich das erste mal tief gekommen. Kurz vor Schlitz löste sich die angesteuerte Wolke leider auf, und dann zeigt sich die Krux beim Flachlandfliegen. Ständig auf Komforthöhe, aber man ist eben auch schnell mal tief wenns schief geht. Ich hatte nur noch 550m, als ich das angesteuerte Feld erreichte, wo ein Bauer mit schwerem Gerät fuhr. Mein Thermikauslöser, wie im Lehrbuch. 1200m in 15min bedeute Weiterflug auf 1700m, ein tolles Gefühl. Der Tag war richtig klasse, wenns mal immer so wär.

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Die Basis stieg zum Abend hin, über Fulda konnte ich nochmal auf über 2000m kommen. In dieser Höhe schob der Wind nun ordentlich mit 15-20kmh. Auf meinem Tacho standen schon 85km und ich wusste, jetzt würde mir ein letzter guter Bart reichen um den Flachland-Hunni abzugleiten. Aber er kam nicht. Stattdessen stellte sich mir vor Neuhof und dem Kaliberg noch ein großes Waldstück in den Weg. Es war mittlerweile 17:30 Uhr und jetzt rächte sich der späte Startzeitpunkt. Die Thermik schwächelte zur fortgeschrittenen Stunde und ich parkte an der Abrisskante vor dem Wald, und das mit noch guter Höhe von 1450m. Der Wind schob so gut, dass es womöglich noch gereicht hätte, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Aber es zog einfach nichts mehr durch. Wolken waren auch keine mehr in Reichweite, das Hindernis so nicht überwindbar.

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Die Landung war die logische Konsequenz, aber der Streckenrekord vom Hahnberg ist wieder mein. Nicht auszudenken ich hätte um 12 Uhr schon aufdrehen können…Schade daß der Flug nicht in die Harzcupwertung fällt, liegt knapp ausserhalb des Radius. Glück für die Konkurrenz.

Jetzt wurde es erst richtig lustig, denn ich hatte nun 2 Probleme. Der Handyakku hatte noch eine Kapazität von 12%. Den Zusatzakku hatte ich nach der Flugflaute zuletzt vergessen aufzuladen, und das GPS verbraucht reichlich Strom. Die zweite Sache war, dass nicht so günstig war ausgerechnet gestern so weit zu fliegen. Ich hatte am Abend noch einen Termin am Edersee. Ich hatte Hessen Feuerwerk zugesagt Fotos vom Feuerwerk zu machen. Dieses sollte im Rahmen der Feier „100 Jahre Edersee“ stattfinden. Nun stand mein Wagen in Reinhardshausen, und ich auf einer Wiese hinter Fulda. Mit der Bahn wär man sicher von Fulda irgendwie zurückgekommen nach Bad Wildungen, aber eines war völlig klar, das hätte zeitlich auf keinen Fall gepasst. Zum Abholen hat sich auch keiner aufgedrängt, groß rumtelefonieren ging auch nicht mehr wegen Strommangel.

Mein Vater hat mich dann abgeholt. Trotz grippalen Infektes hat er sich nochmal auf die Autoahn geschwungen, meine Mutti im Schlepptau, WEIL, die eigentlich den Wagen brauchte um zum Nachtdienst zu fahren. Bis dahin haben mich nette Leute auf die Terasse eingeladen mein Handy zu laden. Die Kids waren sehr fluginteressiert, einer von den Jungs macht demnächst einen Schnupperkurs auf der Wasserkuppe und wollte natürlich alle Details zum Fliegen wissen. Schöne Grüße an dieser Stelle, das war absolut klasse, und das Handy hatte nun auch wieder Saft.

Um 19:45 Uhr kamen meine Eltern, und um 21 Uhr musste meine Mutter in Fritzlar zum Dienst. Oh oh…noch über 100km mit dem Auto, und unterwegs haben sie schon den Stau auf der Gegenfahrbahn gesehen. Das schaffen wir niemals. Ich ans Steuer, Vattern auf den Karantänesitz und los. Alternativroute Landstraße dauert ewig, keine Option also. Doch erstmal Autobahn. Es rollte zum Glück ziemlich gut, Stau hatte sich auch aufgelöst und tatsächlich, um 20:55 Uhr pünktliche Ankunft in Fritzlar. Muttern abliefern, weiter, mein Auto stand in Reinhardshausen. 21:15 Uhr dort angekommen, aber ich hatte den Fotokram natürlich noch nicht dabei. Erstmal schnell heim, der Magen hing von der letzten Mahlzeit um 12 Uhr schon in der Kniekehle, es war mittlerweile 21:30 Uhr. Mannomann, jetzt wirds aber Zeit.

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Foto geschnappt, Flug noch schnell hochgeladen, soviel Zeit muss sein, 22 Uhr Abfahrt Edersee. Auf dem Aussichtsplateau ist an solchen Tagen natürlich Bambule, viele wollen den besten Blick auf den Edersee. Deswegen vorher noch Übergabe eines „Presseausweises“ geplant, um mich oben noch etwas nach vorne zu mogeln. In Hemfurth angekommen konnte ich telefonisch keinen erreichen, wusste aber auch den Weg nicht an den Fuss der Sperrmauer. Mist, auch keine Zeit mehr zum Suchen, also nix Ausweis. Weiter also.

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Wie immer am Edersee bei solchen Events, kein Parkplatz zu finden auf die Schnelle. Eine Lücke tat sich dann doch noch auf, mehr schlecht als recht, egal. Taschenlampe geschnappt, es war mittlerweile stockfinster. Die Aussichtsplattform führt über einen Aufstieg durch den Wald, völlige Dunkelheit, ohne Lampe überhaupt nix zu sehen. Um 23 Uhr oben angekommen wars natürlich schon voll und die Fotografenriege stand mit Stativen in vorderster Front. Zum Glück war einer so nett und hat mich noch dazwischen gelassen. 23:30 Uhr spektakuläres Feuerwerk, die Fotos im Kasten. 0 Uhr Abstieg, als einziger mit Lampe und eine Horde besoffener im Schlepptau, 0:30 Uhr wieder zuhause.

Ohmann, manche Tage sind echt ausgefüllt. Zurück ins Funkhaus.

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