Juli 2015

11.07.2015

Von der Grente nach Aue. Man muss stabil gebaut sein, um dass auszuhalten. Ralph war auch dabei, Reinhard, Marco, Christoph, Zosse und Karsten. Die Thermik war durch den starken Wind ziemlich zerissen. Ralph und ich haben dann das Gelände gewechselt, und da gings gleich viel besser.

Der Wind stand besser an und hatte insgesamt auch etwas nachgelassen. Aus dem Stand auf 1750m, dass ist natürlich spitze. Der Wind drehte dann zunehmend auf Nord, da war Ralph aber schon gen Süden weggeflogen und ist zu fortgeschrittener Stunde noch in die Rhön gesegelt.

Meissner10072015

08.07.2015

Geht dass nur mir so, oder sind andere Arbeitgeber auch immer hellauf begeistert, wenn der Mitarbeiter wegen Flugwetter die Arbeit niederlegen will? Ein paar Tage konnte ich auf jeden Fall ergattern und bin am Freitag um 15 Uhr gleich runter zu Bernhard nach Rosenheim gefahren. Das war so spontan, dass er selbst erstmal noch verhindert war, mir aber den Schlüssel hinterlegt hatte. Da wir am Samstag gleich fliegen wollten, war sein Plan die Feier nicht zu spät zu verlassen. Hat geklappt, um 03:25 Uhr war er wieder daheim.

Blieben bis um 6:30 Uhr noch satte 3 Stunden. Ziel sollte der Speikboden sein, aber der Nordwind war nun strammer als am Vortag noch prognostiziert. Versuchen wirs im Stubai, liegt von Rosenheim Richtung Brenner eh auf dem Weg, und ein kleines Flüglein geht sich sicher aus. Am Kreuzjoch bin ich seit Jahren nicht gewesen, aber es ist eine schöne Gegend. Streckenflugtechnisch natürlich begrenzt, aber kleine feine Flugarena. Vorm Startplatz gings im Lee des Nordwindes zackig nach oben, aber auch turbulent. 18 kmh Nordwind zeigte xctrack an, und so fühlte es sich auch an. Knappe 20kmh waren mir im Gebirge schon immer zuviel, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Rüber zum Elfer gequert, da wars ruhiger und nach 40 Min. bin ich gelandet und zu Trainingszwecken vom LP hoch zum Parkplatz an der Bergbahn gelaufen.

KJJuli2015

Morgen sollte es sowieso auf die Grente gehen, da konnte ein wenig muskuläre Vorspannung nicht schaden. Bernhard wusste davon noch nix, da musste ich behutsam herangehen. Nach 90 Min. war er nun auch gelandet, ich hatte den Wagen schon geholt, und vorsichtig von den Vorzügen des Südtirolers Geländes ohne Bergbahn philosophiert. So allmählich verlor sich seine Gesichtsfarbe als er mekte, dass ich es ernst meinte. 800 Höhenmeter Aufstieg mit vollem Gleitschirmgeraffel mit anschliessenden 8-10 Stunden Fliegen ist in jedem Fall ein tagesfüllendes Programm.

Da es schon Samstagnachmittag war, und die Läden zum organisieren des Proviantes nicht ewig geöffnet waren, willigte Bernhard dem Vorhaben ein. In Neustift haben wir uns mit reichlich Verpflegung eingedeckt und sind dann gen Südtirol aufgebrochen. Unser Flugplan sah was Grosses vor. Wenn wir uns da schon raufschleppen, dann muss was gescheites her. 200km FAI war der Plan mit der Option auf 175 km, wenn wir am Heiligkreuzkofel in den Dolomiten den Rückweg ins Antholzer Tal nicht schaffen. Das Dreieck ist dann aber trotzdem geschlossen.

Abends ne dicke Nudelpfanne zum Auffüllen der Glykogendepots, keinen Alkohol (macht die Beene schlapp) und zeitig schlafen gehen war angesagt. 5:15 Uhr Abfahrt, 6 Uhr Aufstieg. Es ist dann 6:30 geworden, die Zufahrt zum Naturparkplatz war nicht so leicht zu finden. Komischerweise war der Parkplatz völlig leer. Eine erste Verwunderung machte sich breit. Das Wetter hatten wir ausreichend studiert, daran konnte es nicht liegen. Egal, keine Abweichung jetzt mehr vom Plan. Unsere Wege trennten sich von Beginn an, jeder hat sein eigenes Lauftempo, und das ist auch ok.

Grente2Juli2015

Man startet den Fussmarsch auf 1480m und hat bis zu Grentealm erstmal 500 Höhenmeter. Zu Beginn schlängelt sich ein Schotterweg den Berg hinauf, bis irgendwann eine direktere Abzweigung durch den Wald führt., vergleichbar mit dem Einstieg am Hahnberg. Nach 1,5 Std. erreichte ich die Alm, das erste Teilstück war geschafft. Zeit fürs Frühstück, bis dahin hatte ich nur eine Banane im Bauch. Zusammen mit Bernhard gings dann weiter gen Startplatz. Auf 2000m verlässt man die Baumgrenze und quält sich über die Wiesenhänge weiter bis auf 2300m. Die letzten 300 Höhenmeter sind echt der Killer. Weiter unten hätte es schon eine Startmöglichkeit gegeben, ganz oben am Gipfel auch. Meine Beine wollten aber keinen einzigen Schritt mehr weitergehen, und so blieb es dabei. Gute 2 – 2,5 Std. muss man für den Aufstieg einplanen.

An Fliegen war jetzt in keinster Weise zu denken, erstmal Regeneration. Das musste aber warten, weil 5 Kühe (mit Hörnern) meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen. Drei Stück hatten sich hinter meinen ausgebreiteten Klamotten aufgestellt, und jeweils eine kam nun rechts und links auf mich zu. Zunehmend nervös musste ich nun doch etwas energisch mein Revier verteidigen. Da will man nur ausruhen und dann sowas *schwitz*.

Grente3Juli2015

Mittlerweile waren auch andere Piloten vor Ort, und um 10 Uhr kamen schon sehr brauchbare Ablösungen den Hang hinauf. Ich bin sicher, man hätte jetzt losfliegen können, aber kein Startdummy weit und breit. Zum ersten mal vor Ort und nach der Strapaze werde ich auf keinen Fall hier ein Absaufrisiko eingehen. Um 10:30 Uhr aber war ich startbereit, als am Gipfel oben nun auch die ersten Piloten abhoben. Unsere Startposition war nicht optimal, weil die Ablösungen nicht von vorn sondern seitlich die Rippen hochzogen. Nach mehreren Versuchen bin ich weiter runter an eine bessere Postion gegangen. Es war nun schon gegen 11 Uhr, Bernhard war schon 10 Min. weg, als es endlich losgehen konnte.

Grente4Juli2015

Die Bärte liessen von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, dass das ein super Tag werden würde. Mit 3x kurbeln den Staller Sattel schon gequert und nach 1 Std. 15 Min. am 40km entfernten 1. WP am Ende des Defereggental angekommen. Es ging irre schnell, der Durchschnittsspeed lag über 30km/h. Kalkuliert hatten wir mit 22, von daher lagen wir genial im Rennen. Im Defereggental war die Basis schon bei 4000m, ich hab kaum mehr gekurbelt und bin gasend unter den Wolken entlang gezischt. Am WP hatte ich auch Bernhard endlich eingeholt.

Meine Erinnerung sagte mir, dass die Luftraumobergrenze in der CTA Grossglockner 3800m sei. Dem ist aber nicht so, 4400m sind erlaubt. Ich hab versucht zwischen den Wolken nicht höher als 3500m zu fliegen, weil mit jeder Wolke trotz angelegter und beschleunigter Ohren es doch nach oben ging und man so ruckzuck wieder auf 3800m war. Die Mühe war im nachhinein überflüssig, weil man eben doch viel höher fliegen darf.

Nach 2 Std. habe ich beim Fliegen öfter einen Konzentrationsdurchhänger, aber diesmal sollte es regelrecht ein Hungerast werden.  Auf dem Rückweg zum Staller Sattel merkte ich deutlich, dass der Aufstieg ordentlich Kraftreserven verbraucht hat. So hab ich mir übermütig, weils so gut lief, tief eine Bastelstelle eingefangen, die mich locker 30min. gekostet hat. Bernhard ist hoch geblieben und an mir vorbeigezogen. Zurück im Antholzer Tal hab ich ein Brötchen gegessen, eine Banane und Kekse. Ich hatte neben Wasser noch ne Cola mitgenommen. Ca. 1 Stunde später stieg der Energielevel nun wieder deutlich an, bis dahin musste ich richtig beissen.

Grente5Juli2015

Querung Tauferer Tal und Weiterflug Eidechsspitze ging zuverlässig. Es hatte nun etwas NW Gegenwind. Der Gitsch und ich werden keine Freunde mehr, aber diesmal konnte ich gleich einen guten Bart erwischen. Nun leider flugtaktischer Fehler. Statt direkt zum thermisch stets zuverlässigen Gaisjoch zu queren wollte ich versuchen den Weiterflug nach Sterzing etwas nördlicher anzugehen. Hat leider nicht geklappt, sodass ich mich langsam zum Gitsch zurückmogelte. Der zickte wie so oft rum und ich konnte keinen gescheiten Bart mehr zentrieren. Der 200er war damit nicht mehr machbar. Ich versuche zurück ins Antholzer Tal zu fliegen, als mir vor der letzten Querung die Idee kommt über den Kronplatz doch noch in die Dolomiten zu kommen.

Grente6Juli2015

Ich bin nur wenig unter Gipfelhöhe dort angekommen, aber an einem 36 Grad heissen Sommertag wachsen von unten raus auch keine thermischen Geschosse mehr gen Orbit, sodass dieser Versuch leider nicht zum Erfolg führte. Ich glitt noch so nah wie möglich gen Antholzer Tal ab. Knapp 140km FD. Das gesteckte Ziel nicht erreicht, aber ohne Zweifel ein irrer Flug für den ersten Versuch an der Grente. Ein ital. Pilot hat mich beim Trampen ein paar Meter mitgenommen, und am Eingang vom Antholzer Tal zwei Norweger bis zum Auto.

Wo steckte Bernhard. Ich weiss um seine Behaarlichkeit. „Ist doch irre bequem so ein Gleitschirmgurtzeug“ sagt er immer. Und wenn er nicht irgendwo absäuft gibts eigentlich keinen Grund, warum er nicht noch fliegen sollte. Zwei Stunden später dann die SMS: „Plan umgesetzt“. Der Hammer. Hat der Teufelskerl dass 200er FAI zugemacht, der helle Wahnsinn.  Nach anfänglicher Verwirrung um eine Luftraumverletzung dann doch die Gewissheit, der Flug ist regelkonform und zählt.

Was für ein  Tag, was für ein Kraftakt, aber 2 tolle Flüge als Lohn der Mühen. Das Projekt 200 ist vorerst aufgeschoben, aber eines ist gewiss, das wird noch fallen…von der Grente.

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