Mai 2014

31.05.2014

Schonmal so einen Himmel gesehen? Viel besser gehts ja wohl nicht. Schön wenn man sich dann nicht selbst im Weg steht. Aber der Reihe nach. Wenn man bei wenig Wind fliegen will, startet man am besten direkt in die Ablösung. So war der heutige Plan. 11:30 Uhr angekommen am Hahnberg, gleich ausgepackt und startfertig gemacht. Ich bin gerade 5 Min. in Wartestellung, da macht sich überm Hahnberg eine schöne, große Wolke breit und bringt auch gleich die passende kräftige Ablösung mit. Und was mach ich? In einem Anflug von völliger Grobmotorik lass ich den Schirm aufsteigen, er dreht sich 2x um sich selbst und kommt auf den Eintrittskanten wieder zum liegen. Oh mann, die Phase ist zu gut, um sie zu verdummdaddeln. Hat nen Moment gedauert bis alles wieder gerichtet war, da war das Beste erstmal vorbei.

Ok, ruhig Blut, es ist 12 Uhr, der ganze Tag liegt noch vor mir. Ich also wieder in Startposition, immer mal wieder Ablösungen, aber nichts dabei was mich gleich in den Orbit schießen sollte. 45 Min. später, gebraten in der Sonne und der Muskeltonus schon abgeschlafft plötzlich die nächste Wolke direkt über mir. DAS wird mein Bart…dachte ich. Da war sie, kräftige Ablösung. Schirm hoch gezogen und im Anflug von erneutem koordinativem Ganzkörperversagen  zieht mich die Tüte den Hang hoch, und die Leinen oben in die Äste der angrenzenden Bäume. Es ist zum heulen, was ist bloß los heute. Zum Glück konnte ich ohne großen Aufwand die Leinen befreien, aber die Phase war erneut durch.

Wieder warten. Es kam eine dritte Wolke, und diesesmal klappte es. Ganz ehrlich, auch der Start war miserabel, aber zumindest in der Luft. Ich war drin in der Ablösung und drehte gleich ein. Das Steigen war mit 1,3m schwach und der Bart schon nach hinten versetzt. 200m konnte ich aufdrehen, aber um mich versetzen zu lassen zog der mir nicht gut genug. So stand ich nach 15 Min. wieder am Boden. Alles zusammengerödelt und wieder aufgestiegen. Die Beine waren schon schwer unterwegs, fast bleiern, irgendwie abgeschlafft der Mann heute.

Oben angekommen wars nun nix mehr mit Wolken. Es wurde zunehmend blau und über dem HB sowieso. Damit sank die Chance enorm, aber ich probierte es natürlich erneut. 20 Min. zäher Kampf, dann war auch dieses Unterfangen verloren. Blödbommelmässig im ersten Anlauf verbockt, ich bin mir sicher, diese Ablösung hätte mich unter die Wolke gebracht. Schade drum, der Tag sah sehr vielversprechend aus. Fürs nächste Mal mehr Körperspannung und kognitive Wachfenster, hoffentlich.

Hahnberg310514

 

25.05.2014

Hangstarten ohne Wind, das klappt in den Alpen toll, ist aber im Mittelgebirge doof. Zu klein die Huckel, da half heute nur der Versuch aus der Winde. Als Ralph und ich um 11 Uhr in Grifte ankamen sprangen gerade 5 Mann um die Winde herum, die nicht anspringen wollte. Oh oh, das geht gleich gut los…

Irgendwann lief die Kiste dann doch, und im ersten Versuch gleich mal abgesoffen. Ralph konnte dann schonmal bis 1000m aufdrehen, die Thermik sprang also langsam an. Ringsherum schon tolle Cumuli, nur über dem Schleppgelände alles blau. 2. Versuch, Ralph war mittlerweile auch wieder gelandet, konnte ich eine gute Phase nutzen und allmählich gut Höhe machen. Es war immer noch blau und unten raus alles andere als durchzugsstark, da half nur Flachlandtaktik. Langsam bildeten sich Wolken in Reichweite, und als ich endlich unter einer hing gings endlich kräftig nach oben.

Nach Abflug von der Wolkenbasis zeigte mir xctrack in der Höhe 3 kmh Wind aus NO an, ein Traum um eine geschlossene Aufgabe zu fliegen. Reini, du hättest deine helle Freude gehabt. Nach Osten wars ziemlich blau, so folgte ich den Wolken nach Westen. Toller Blick in meine Heimat Fritzlar und auch zum Edersee.

Grifte250514a

Über Bad Emstal setzte ich den Wendepunkt. Überm Ort gings hoch, aber es dauerte eine Weile bis ich den passenden „Erwachsenenstreckenfliegerbart“ gefunden hatte. Auf dem Rückweg wurden die Cumuli immer weniger, aber eine  lag noch in meiner Reichweite. Gut zentriert gings mit ordentlich Druck auf der Bremse mit 5,5m nach oben. Wolkenthermik ist einfach ein Traum. Gen Gudensberg wurde es wirklich dünn mit Wolken. Zur linken den Odenberg, dort hatte ich als kleiner Bub schon im Modellbauclub „Junges Land“ Segelflugmodelle fliegen lassen. Ist ein SW-Gelände und wird heute immer noch benutzt. Ist toll es jetzt von oben zu sehen. In Gudensberg bin ich groß geworden, dort haben meine Eltern ihr Haus. Ich hatte kurz überlegt von oben mal anzurufen, aber außer Windgeräuschen hätte man wohl eh nicht viel gehört.

Grifte250514b

Im Blauen konnte ich über Gudensberg noch etwas drehen und den Rückflug nach Grifte antreten. Hat nicht ganz gelangt bis zum Segelflugplatz, aber nur einen Steinwurf entfernt. Schnell meinen Papi angerufen, der hat mich kurzerhand rüber gefahren. 36 km flaches Dreieck und nebenbei neuer Rekord im Fliegen um ein Dreieck von Grifte aus. Gigantischer Mai hier im Flachland, ich bin noch völlig hin und weg.

 

 

18.05.2014

Die drei Mentorboys sind heute nochmal ins Sauerland geflüchtet, des besseren Wetters wegen. Sehr gute Bedingungen vor Ort, so konnten wir gemeinsam einen sehr schönen, großräumigen Rundflug um Willingen machen.

Ettelsberg180514

 

17.05.2014

Gestern half nur die Flucht nach Westen. Knatternde Winde um NO waren im Sauerland etwas schwächer vorhergesagt, dazu gute Wolkenthermik und eine ansprechende Bedeckung von 3-4/8. Selbst Mayer musste einsehen, daß es rund um Eschwege zu windig werden würde, und so hatten sich Timo, Mayer, Armin und ich uns für den Vormittag in Willingen am Ettelsberg verabredet. Vor Ort waren noch eine weitere handvoll ambitionierter Strecken-Piloten eingetroffen. Die Kontakte untereinander werden immer besser, so daß langsam eine sehr gute XC-Fliegercommunity miteinander in Kontakt steht.

Wenn man am Ettelsberg unten das Ticket löst und in die Bahn steigt, hat das schon einen sehr alpinen Charakter. Ruckzuck ist man oben am Berg, wo man sonst in den heimischen Mittelgebirgen erst 30min. aufsteigen muß. Auch mal nett. Wetter sah oben schon richtig gut aus. Blauer Himmel, erste Cumuli und moderater Wind. Die Wiese war noch etwas feucht, sodaß es nicht ganz so früh losgehen konnte. Gegen 11:30 Uhr machte Mayer den Dummy, und 20 Min. später starteten auch wir. Die Absaufgefahr war nach dem Start gegeben, der Wind stand nicht optimal drauf, dazu ist der Hang relativ flach. Im Nullschieber mit kleineren Hebern konnte man sich knapp halten, als endlich der ersehnte Bart ablöste. Armin, ein weiterer Pilot und ich konnten gut aufdrehen. Abflughöhe 1400m.

Ettelsberg160514a

Zu Beginn noch etwas defensiver geflogen und 1-2 kleinere Bärte nicht ausgelassen. Die Wolken standen aber gut in Flugrichtung und schnell war klar, das geht sehr zuverlässig. Wenn 2-3 Flieger gemeinsam losfliegen können ist das schon richtig gut. Man kann etwas aufgefächert gut Luftmassensteigen/Sinken beobachten und so schnell die bessere Linie finden. Und wenn man dann zusammen im Bart wieder an die Basis aufdrehen kann macht es auch richtig Spaß. Der Chili-Pilot war nach einer Stunde tief gekommen und konnte sich nicht mehr ausgraben. Ab da sind Armin und ich zu zweit weitergeflogen. Der Tag war mittlerweile richtig gut, immer eine Wolke in Reichweite und überhaupt keine Tendenz zur Ausbreitung. Unter den Wolken Steigwerte von 3-4m, der Wind schob mit 18kmh aus NO.

Ettelsberg160514b

Ettelsberg160514c

Nach 59km war für mich die Reise leider vorbei. An einer Stelle mit viel Wald flogen wir etwas versetzt, Armin offensichtlich die bessere Linie. Ich querte noch rüber um das Steigen zu finden, ohne Erfolg. Gelandet im tiefsten Sauerland auf einem Flugplatz für Modellflieger. Einer war auch vor Ort mit seinem Wohnmobil, und der hat mir dann versch. Möglichkeiten für den Rückweg erklärt. Zuerst bin ich mal runter in den nächsten Ort gestapft. An der Bushaltestelle hielt zufällig ein Rentnerehepaar aus Dortmund an. Diese waren auf der Rückreise und orientierten sich selbst ein wenig. Freundlicherweise hat der Herr mich dann, zum Leidwesen seiner Frau, bis nach Winterberg gefahren, das war natürlich super. Das hat nichts mit Ihnen zu tun, sagte seine Frau zu mir, aber mein Mann und ich haben gelegentlich ein paar Kommunikationsschwierigkeiten. Ähem, ja, daß hatte ich mir schon gedacht.

Ettelsberg160514d

In Winterberg konnte ich gleich in den nächsten Bus steigen, und der fuhr dann mit einmal umsteigen nach Willingen zurück. Landung 14:30 Uhr, 18 Uhr zurück am Auto, 19 Uhr wieder daheim. Ein sehr ausgefüllter Tag, gerne mehr davon.

 

 

15.05.2014

15 ktn Nordwind, dazu 8/8 Bewölkung. Da weiß man schon, daß der Tag nicht rekordverdächtig wird. Aber wenn der Wind am Hahnberg gut ansteht, ist das schon eine Bank. Dazu leichte Thermikblubbler, 75 Min. Flugspaß vor Ort mit kleinem Aufwand.

Hahnberg150514

 

10.05.2014

Gestern war ich der Aussicht wegen oben auf dem kleinen Dörnberg. Ich persönlich habe noch nie soviel Wind gespürt. An der Meßstation-Calden konnte man 30, in Böen 40 ktn ablesen. Hier oben an der Kante waren es 80kmh Wind, in Böen auch mehr. Habe ein paar Fotos gemacht und musste mir festen Stand suchen, der Wind hat geschoben als gäbs kein morgen mehr.

Zum Entspannen habe ich mich ins Lee gesetzt, als ich von unten einen Modellbauer mit seinem Segler habe aufsteigen sehen. Na der wird sich wundern dachte ich noch so bei mir, von wegen. Wer sich am Ende wunderte war ich. Der Herr hatte einen 5000 Euro-Hightechsegler aus Kevlar mit dabei. Das Ding war extrem auf Leistung getrimmt, hatte 5,26m Spannweite, 7kg Gewicht und allerhand technischen Schnickschnack wie GPS und Variometer an Board. Trotz des Sturmes ist das Ding tatsächlich geflogen. Sehr beeindruckend.

dörnberg1

 

 

06.05.2014


04.05.2014

Der Samstag frohlockte mit gutem Flugwetter für die Nordhälfte Deutschlands. Gute Wolkenthermik war angesagt, aber auch sportlicher Wind aus NO. Die Geländeauswahl ist bei dieser Windrichtung nicht üppig, aber Hessens aktivste Fliegercommunity war sich einig, dass der Frauenberg in Thüringen der optimale Spot sein müsste. Da bei 15 ktn Wind die Flugaufgabe mit freier Strecke klar war, stellte sich noch die Frage nach einer logistisch guten Lösung für den Autorücktransport. Da hilft nur eins, ein Fahrer muss her.

Jetzt ist für Nichtflieger ein Samstag auf der Autobahn mit Einsammeln von gestrandeten Streckenfliegern vermutlich nicht Freizeitspass Nummer eins. Papi Engelhard, ein gestandener Rentner mit Nerven aus Stahl, vor keiner Herausforderung zurückschreckend nahm sich jedoch der guten Sache an und organisierte sämtliche flugrelevanten Abläufe vom Boden aus. Um dem strammen Wind nicht schon am Startplatz zu erliegen gings früh los, 7:30 Uhr Abfahrt Fritzlar, 8:15 Uhr Streckenflieger-Sammelstelle Niederkaufungen, zwischendrin kurzweilige Autofahrt mit alten Haudegen Anekdoten und Fliegergarn aus der Nachkriegszeit, 9:45 Uhr Ankunft in Sondershausen.

Frauenberg040514a

Frauenberg040514b

Wegen Wegsperrung vor Ort noch den passenden Weg erfragt, hochgelaufen und 10:15 Uhr am Start. Armin Harich stand flugbereit in Lauerstellung, Klaus und Holger waren in Flugvorbereitung, der Wind stand schon stramm an, es galt sich also gleich fertigzumachen. 10:32 war ich in der Luft, Andi und Ralph folgten sogleich, Klaus und Holger  waren auch schon draußen. Nach etwa 20 Min. zog endlich der passende Bart durch, sodaß alle Piloten aufdrehen konnten. Abflughöhe 1100m, die Basis war so früh noch nicht höher. Da aber in Flugrichtung überall Wolken standen konnte man es wagen.

Unterwegs ging es zuverlässig, die Wolken zogen, auch wenn die Basis mit 1300-1500m gar nicht so exorbitant hoch war. Dafür waren die Thermikabstände nicht so groß, sodass man immer wieder gut Anschluss finden konnte. Ich konnte weitgehend hochfliegen, echte Baustellen gabs so zum Glück nicht. Unterwegs verloren sich dann unsere Wege, alle waren auf ihrer Route gen SW unterwegs. Mit Rückenwind im Halbgas stehend bin ich mit 65 kmh voran gezischt, schön wenn man beim Fliegen auch Fahrt hat.

Frauenberg040514f

Unterwegs wurde es zunehmend bewölkt. Zudem hatte ich auf meinem GPS den Kartenmaßstab sehr groß eingestellt, sodaß mir die EDR-90 Wartburg in Eisenach nur als kleiner Kreis aufgefallen war. Je näher ich kam desto größer entpuppte sich dieser. Über Eisenach musste ich sie dann umständlich umfliegen, dazu wars jetzt sehr schattig mit Basis 1300m und noch viel Wald vorraus, so endete der Flug auf einem Feld in Eisenach.

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Beim Zusammenpacken sah ich am Ende des Feldes eine Person auf mich zukommen. Der Bauer mit Mistgabel bewaffnet zum Schutz der jungen Sat vor tölpelhaften Fliegerbuben? Nein…der Oberförster als Schutzbefohlener der Unterthüringer rotschwanzgefiederten Rohrdommel? Auch nicht…wer dann?

Rolf Künstler wars der alte Thermikverweiger. Hat mich landen sehen und ist dann gleich mal losgefahren. Schwupps eingeladen und ab gings. Andi und Ralph waren mittlerweile auch unten. Ralph war mit großem Selbstbewusstsein ins einzige Loch im Thüringer Wald an sonst unlandbarer Stelle eingelandet und auch Andi musste sich dem THü-Wald als gestern unüberwindbares Hindernis ergeben. Als Rolf und ich mit Ralph bei Andi ankamen war Papi Engelhard auch schon da. Dank Vesperkiste mit nordhessischen Leckereien hat er sichs zwischenzeitlich gutgehen lassen, so konnte einer vergnüglichen Heimfahrt nichts mehr im Wege stehen. Alle drei 65-67km, zudem um 16 Uhr schon wieder in der Sammelstelle-Niederkaufungen beim Landebier auf der Gartenterasse bei Monte Adretti.

Frauenberg040514e

Fliegerlogistisch war das mal ein echter Volltreffer, SO muss ein Plan funktionieren. Zurück ins Sendezentrum!

 

 

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