Mai 2015

04.05.2015

Das WE ist vorbei. Flugtage mit wenig Wind sind in der Mittelgebirgsfliegerei schwierig zu nutzen, weil man nicht soarend am Hang parken kann, um auf die passende Ablösung zu warten. Selbst gute Piloten saufen da reihenweise ab. Kaum einer kann das besser, als unser Freund Reinhard May. Ich habe ihn gebeten, seine Erfahrung in einem kleinen Guide zusammenzufassen, wie man bei wenig Wind die Chancen erhöht, doch in die Thermik einzusteigen.

Das letzte Wochenende hat es wieder gezeigt. In unseren Fluggebieten mit wenig Höhenunterschied ist der richtige Startzeitpunkt entscheidend für Lust oder Frust an der Fliegerei. Normalerweise checkt man ja vor dem Fliegen das Wetter. Viele haben dafür Profiwetterberichte und wenn die von sehr wenig Wind sprechen und guter Thermik  muss man am besten früh am Berg sein. Das hilft, entspannt zu sein und man kann in Ruhe seine Ausrüstung fertig machen, auf Ablösungen achten, sehen wo und wie die Vögel steigen und sehen wie die Wolken wachsen. Kumulierende Wolken sind an Schwachwindtagen sowieso das Mass aller Dinge. Am Samstag bin ich fast sicher, man hätte um 10 Uhr starten können. Die Ablösung war etwa 10-15 km/h und! man konnte sehen wie eine Traumwolke über dem Startplatz wächst. Aber so früh ist man eben vorsichtig. Beobachte die Wolkenbildung, dass ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Wenn die Wolke sichtbar grösser wird kann man sich einprägen, wie das Wolkenbild von unten aussieht. So ein bisschen wie eine dicke Nebelschwade, diffus, keine Konturen. Das ist ganz wichtig, weil es einem zeigt, dass der Aufwind sehr warscheinlich vor dem Berg/Startplatz aufsteigt. Sieht man dann noch leichte Bewegung von den Blättern, Büschen und Bäumen ist der Startzeitpunkt gekommen. Ich ziehe fast immer den Schirm auf, um zu fühlen, ob „Er“ starten will. Will „Er“ muss man sauber starten, der Schirm muss halbwegs von selbst beschleunigen. Tut er das nicht, starte ich meistens nicht.

Ausser vor dem Start drehen die Vögel oder Schwalben fliegen. Man muss wirklich ein Gespür dafür entwickeln, die vorhergesagte Thermik  zu „sehen“. Ich meine, wo steht der Bart? Ich habe meistens nur etwa 1-2 min Zeit um den rettenden Bart zu finden. Das heisst konsequent die vorhergeahnte Stelle für Thermikablöse  anfliegen und natürlich auch ein bisschen Glück haben. Am Samstag am Meissner bin ich mit Klaus zusammen gestartet. Am Start ganz gut rausgekommen und nebeneinander hergeflogen. Schon am Start war klar, dass der Wind von links, SW, kommt. Da hat man am Meissner zwei Optionen. Die eine, normalerweise recht gute vor dem Parkplatz, an diesem sehr windschwachen Tag wählte ich aber den Hang vom Start aus nach Links. Warum?

Ich hatte leichtes Steigen, aber gar nicht definiert. Ganz vorsichtig drehen und alle Sinne geschärft. Da fliegt irgendetwas an mir vorbei, ein Strohhalm o.ä. Also bin ich nicht verkehrt. Festbeissen. Ausserdem, der Meissnerhang hat nach ca.200m einen kleinen Knick mit SW-Flanke. Und dort schien die Sonne perfekt rein. Etwas weiter draussen bildete sich eine schöne Wolke, dies kann man aber wegen der fehlenden Höhe noch nicht anfliegen. Also weiter mit dem wenigen Steigen oder Nullschiebern. Zeit überbrücken, bis man in den Bereich der sich bildeten Wolke kommt. Sie zieht ja langsam auf mich zu. Meine Handy App FlyMe sagt mir wenige kmh SW-Wind an. In dieser Flanke kann ich nicht ganz verkehrt sein. Einige male falle ich aus dem Bart und muss die Drehrichtung ändern. Das mache ich sehr ungern, wenn ich tief bin und es wie stark auch immer steigt. Meistens fällt man dann aus dem Bart und säuft ab. Langsam kommt die Wolke und das Steigen wird etwas besser, aber es besteht immer noch Absaufgefahr. Meine Sinne sind wirklich geschärft. Es funktioniert, langsam gehts hoch und es wird besser. Der Rest ist Kurbeln, kurbeln, kurbeln. Und wieder hilft das Fluginstrument oder die Handy App. Sie zeigt die Windrichtung, die jetzt nach einien Kreisen besser berechnet wird und sagt fast Südwind an. Deshalb habe ich die Talseit gewechselt und  habe die sonnenbeschienenen Hänge mit Wolke drüber angeflogen. Ab da ging es dann. Als Checkliste würde ich empfehlen, alles vorbereitet, Akkus etc., früh da sein, damit man Zeit zum Beobachten hat. Ich finde, das ist schon fast die halbe Miete. In Ruhe, aber sofort fix und fertig machen. Nicht erst rumquatschen und warten bis der erste sich hält. Dann ist es fast immer zu spät. Und mit fertig meine ich startbereit da stehen, Bremsen in der Hand, dass man sofort raus kann. Und natürlich braucht man auch Glück, aber diesem kann man mit etwas Routine auf die Sprünge helfen.

Ich hoffe, dieser kleine Ratgeber hilft euch, besser zu werden.

Gruss, Mayer

02.05.2015

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Bei schlappem Wind, aber thermikträchtiger Luftmasse, war die Startplatzwahl heute wieder mal kniffelig. Während Andi u. Ralph zum Meissner wollten, wo die halbe GS-Liga – dem Süddeutschen Dreckswetter entflohen – zugegen war, versuchte ich mein Glück bei den Griftern an der Winde.

Als ich um 11 Uhr eintraf, war noch keine Menschenseele vor Ort. Überall schon tolle Cumuli, und selbst über dem Platz machte sich eine breit. Während ich schon völlig zappelig von einem Fuss auf den anderen wippte, kam gegen 11:30 Uhr so langsam Leben rein. Gegen 12:30 Uhr gings endlich los und ich hing am ersten Seil. Beim Hochziehen war über dem Platz schon Bewegung drin. Es trug ein wenig, aber es war kniffelig. Viel Höhe hatte ich nicht mehr, als ich doch noch mit dem Thermikmesser zwischen den Zähnen ein Steigen zentrieren konnte. Bei 1300m gings erstmal nicht mehr weiter, musste zum Abflug also genügen. Ich bin gleich westlich zum benachbarten Volkswagenwerk, dort konnte ich wie beim Letzten mal aufdrehen auf 1700m.

Ich fand die Thermik nicht sehr durchzugsstark. Es ging z.T. mit 3-4m nach oben, aber manchmal war selbst unter der Wolke nur 2m gemächliches Steigen. Als ich den Herkules passierte konnte ich wieder gut Höhe machen, aber am Hohen Gras habe ich keinen Anschluss bekommen. Vielleicht war ich auch einfach zu blöde, aber das Landen war unausweichlich. Weil ich noch bis zuletzt nach Steigen suchte, musste die Skipiste herhalten, drumrum nur Wald.  Ich glaube, es wär mehr drin gewesen, aber ich lerne dazu.

Papi Hackenbrecht war so nett, seinen Sohn wieder abzuholen. Das ist der Vorteil wenn man in hemischen Gefilden rumgondelt. Liebe Grifter, vielen Dank für den Schlepp, gerne wieder bei der nächsten Schlappwindlage. Zurück ins Funkhaus.

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