Pinzgau 2010

Mit dem Flugwetter ist es bekanntermassen so eine Sache. Wenn man Zeit hat fegt garantiert eine Kaltfront durchs Land, aber sobald man wieder Arbeiten muss (mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen) ist bestes Wetter. Dieses mal war es zum Glück nicht so, ich hatte diese Woche Urlaub und das Wetter hätte besser nicht sein können. Allerdings nur für den Alpenraum, im Mittelgebirge sind Hochdrucklagen ohne Wind flugtechnisch ziemlich frustierend.

Dana, Rene und Ralph hatten zumindest über das WE hinaus noch Zeit, Andi war leider verhindert, und so gings letzte Woche Freitag nach der Arbeit gleich ab auf die Autobahn. Seit über einem Jahr war es schon mein Ziel im Pinzgau zu fliegen, und jetzt sollte es endlich klappen. Samstagmorgen sind wir nach dem Frühstück gleich auf Entdeckungsreise gegangen und zur Schmittenhöhe in Zell am See gefahren. Üppige 22 Euro für Bergfahrt inkl. Fluggebiets-Tageskarte werden einem an der Kasse erstmal weggelatzt. Viel hatte ich mir von dem Samstag nicht erwartet, laut Wetterprognose sollte es erst ab Sonntag gut werden. Mit Nordwind konnte man nach der Mittagszeit trotzdem gut starten und auch fliegen. Die Wolkendecke war leider noch recht dunkel und man musste jederzeit mit einem kräftigen Schauer rechnen.

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Am Nachmittag, wir waren alle schon gelandet, setzte sich der angesagte Hochdruck mehr und mehr durch und es wurde richtig schön sonnig. Wir wussten, dass man ab 16 Uhr in Hollersbach im Wind vom Pass Thurn soaren kann, worauf also warten. Während ich noch den Wagen holen musste, waren die anderen per Anhalter schon in Hollersbach zurück. Riesiger Wiesenstartplatz mit nur 300m Höhenunterschied, aber als Prallhang gegenüber des Pass Thurns bestens zum Abendfliegen geeignet. Und tatsächlich, es ging saugut und auch hoch. Nach dem aufsoaren musste man sich nur in einen der Bärte einklinken und ab gings auf 2500m und mehr.

Ralph und Rene flogen nach Westen bis zum Gerlospass und zurück (40km), ich bog nach Osten ab und flog die Kante 30km ab bis kurz vor Kaprun. Ich denke, für einen Spätnachmittagflug gabs nix zu meckern. In Hollersbach, wo man mit dem PKW hochfährt, kann man auch prima toplanden und oben am Berghof ausgezeichnet essen. Öfters herrscht jedoch eine Konvergenz aus 2 Talwinden, Bergwind und Nordwind vom Pass Thurn vor, die sich in einer ausgewachsenen Umkehrthermik bemerkbar macht. Ein paar Tage später wollte ich nach einen Abendflug nach 1,5 Std. um 20 Uhr landen, es war nicht möglich. Am Hang gings mit Nordwind hoch, und überm Tal mit 2m Steigen. Nach mehreren Spiralversuchen ist es dann aber doch gelungen.

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Sonntagmorgen, die Prognosen standen auf Hammertag-Chance und ich war um 6:00 Uhr schon putzmunter. Heute sollte es passieren, der Tag der Tage, zur rechten Zeit am rechten Ort. Heute sollten alle je geflogenen Pinzgau-Kilometer pulverisiert werden. Ok, ok…, aber wir wollten heute einfach weit fliegen und die Bedinungen waren spitze. Annährend kein Wind, frische Hochdrucklage und gute Baishöhen. Mit dem Postbus gings vor der Haustür um 9:22 Uhr nach Neukirchen, wo uns die Bahn zum Wildkogel fuhr. Mit 12 Euro nur halb so teuer wie an der Schmitten und keinen Höhenmeter niedriger. Allerdings gibts am Wildkogel nur einen Südstartplatz, bedeutet, dass man spätestens um 12:30 Uhr gestartet sein muss, sonst hat man den bayerischen Wind im Rücken und man kommt nicht mehr raus. Um 11:30 Uhr gings los, der erste Bart stand gleich vorm Startplatz und mit einer Flughöhe von 2800m gings rüber zum Laubkogel, dem ersten von uns gesteckten 10km entfernten Wendepunkt.

Die Thermik war super, man konnte schnell fliegen und flott Höhe machen, alles lief wie am Schnürchen, das Wetter hielt, was die Prognosen vorhergesagt hatten. Am Wendepunkt hatte ich noch eine Flughöhe von 2500m, Rene und Ralph kamen auch gerade angeflogen, als mich ein Mörderbart dermassen beutelte, dass ich nach 2 vergeblichen Zentrierversuchen überstürzt weiterflog, ohne weiter Höhe zu machen. Ich bin normal nicht zimperlich und weiss, dass Thermik bewegte Luft ist, aber dieser Bart hatte mir erstmal den Schneid abgekauft. Damit war mein Streckenschicksal für heute besiegelt, der Rückweg zum Wildkogel war einfach noch zu weit und unterwegs keine ausreichende Thermikquelle aufzufinden, die mich nochmal nach oben befördert hätte. Vollkommen frustriert stand ich nach 16km am Boden, während die Jungs es besser machten und mit guter Höhe am Wildkogel ankamen, um Höhe zu machen und den Pass Thurn zu queren. Alle Vorhaben waren dahin und eine Fehlentscheidung sollte den Flug vorzeitig beenden. Zum erneuten Hochfahren war es auch schon zu spät, es war ja schon nach 13 Uhr. Der Tag wurde zum Glück von unserer deutschen Fussball-Nationalmannschaft gerettet, die in einem aussergewöhnlich guten Fussballspiel die Engländer mit 4:1 vom Platz fegten. Der Schiri hatte (wie ich) zwar nicht seinen besten Tag, aber an dem Sieg gabs trotzdem nix zu deuteln.

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Die Jungs waren auch rechtzeitig zum Spiel gelandet, Rene nach 45km, Ralph schaffte 75km. Und ich musste einsehen, dass ohne Geduld beim Streckenfliegen der Flug schnell beendet sein kann. Der nächste Tag war mit Nordwind belastet, sodass man zwar fliegen konnte, aber es war ziemlich zäh, die Thermik nicht so gut, relativ ruppig, lange nicht so schön wie am Vortag. Ich ging nach 2 Stunden entnervt landen, während Ralph sich sich nicht geschlagen geben wollte und sich mit wenig Höhe mühsam von Rippe zu Rippe hangelte und mit einer grossen Energieleistung noch ein Stück weiter flog als am Vortag.

Dienstagmorgen fuhren auch Hanka und Ralph nach Hause und ich verblieb als letzter Mohikaner. Da es etwas ungewiss war, wie es sich mit dem Nordwind verhielt, zog ich es vor an der Schmitten zu starten, schliesslich gibts dort auch einen Nordstartplatz. Vorbereitet war ich auf einen langen Flug, hatte Wasser und Riegel dabei, aber ich war ziemlich entspannt und wollte es einfach besser machen als zuletzt. Als sich die ersten halten konnten startete ich exakt um 11:20 Uhr zu meinem schönsten Flug den ich je gemacht habe. Der Nordwind war zum Glück wieder sehr schwach und die Thermik sehr gut. Zu Beginn war die Basis mit 2700m noch relativ niedrig, aber im Tagesverlauf stieg sie immer höher. Unter den Wolken flog ich 15km die Kante nach Westen ab, unterwegs immer wieder Höhe kurbelnd, bis ich nach anderthalb Stunden bei Mittersill nochmal Höhe machte um das Tal zu queren auf die Südseite. Drüben angekommen fand ich einen Bart der mich auf über 3000m brachte, mit der Höhe konnte man entspannt über Hollersbach weiter nach Westen fliegen. Kurz vor Neukirchen drehte ich um, zu ungewiss war mir die Thermiksituation Richtung Gerlos, und der Flugtag war einfach zu gut um ihn wieder vorzeitig zu beenden.

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Mit Rückenwind und voll beschleunigt düste ich mit 55km/h nach Osten die Bergrücken entlang. Es war schon nach 14 Uhr und die Basis war mittlerweile auf 3300m. Und als ich bei Uttendorf nicht aufpasste und entspannt in einem 3,5m Steigen nach oben ging, war die Basis schon sehr dicht dran. Ich flog auf der Luvseite der Wolke Richtung Tal um ihr zu entkommen, wo es mit weiteren 5m im Geradeausflug nach oben ging und ich in der Wolke verschwand. Ich wusste, dass der Weg raus nur kurz war, und nach wenigen Augenblicken hatte ich wieder freie Sicht und aus 3328m einen super Blick über das Pinzgau. Ein paar Kilometer weiter konnte ich kurz vor Zell am See aufs Kitzsteinhorn, den Gletscher in Kaprun blicken, sensationell. Nach 5 Stunden Flug und 74km wurde es Zeit zu landen. Jetzt bloss nicht in die Kontrollzone vom Flughafen in Zell am See kommen. Ich bin vorsichtshalber noch bis Bruck an der Großglocknerstrasse weitergeflogen, um dort zu landen. Und wenns einmal gut läuft, dann gehts meist so weiter. Der erste PKW hielt beim Trampen an und die Dame mit ihren 3 Kindern, die eigentlich nach Kaprun wollte, fuhr mich nach Zell am See.

Von dort wären es noch gut 2km bergauf zur Talstation gewesen, als ohne Aufforderung ein vorbeifahrender PKW anhielt und frug, ob er mich mitnehmen kann. Was für ein schöner Tag, was für ein toller Flug. Unterwegs kurbelten vor mir 5 Segelflugzeuge in einem Bart der Basis entgegen, meist habe ich sie jedoch tiefer gesehen. Über der Talmitte flog ein Swift an mir vorbei, und unterwegs machte ich natürlich Begegnung mit vielen anderen Fliegern. Die guten Bedingungen an diesem Tag haben natürlich viel dazu beigetragen, dass es ein so wunderbarer Flug werden konnte.

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In den nächsten Tagen hab ich noch Zell am See zu Fuss erkundet, bin in Kaprun am Gletscher gewesen, wo ich den Skifahrern zusah, und ein bisschen entspanntes Fliegen war natürlich auch noch drin. Pinzgau, ein Fluggebiet der Extraklasse…wir werden bald wiederkommen.

 

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