September 2012

24.09.2012

Wenns im September in die Dolomiten geht, dann ist das alpenflugtechnisch in der Regel die letzte Ausfahrt des Jahres. Dieses mal mit Melli und Bernhard unterwegs gewesen und für ein paar Tage in Campitello di Fassa einquartiert. Normalerweise ist das Fluggebiet rund um den Col Rodella um diese Jahreszeit übervölkert mit Gleitschirmfliegern, aber dieses mal war es noch einigermassen überschaubar, was nicht heissen soll dass es leer war. Aber statt 300 Piloten waren geschätzte 150 vor Ort.

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Im Verlauf des Sonntagvormittag sind wir dann hochgefahren mit der Express-Seilbahn, die einen exakt in 4:30 Min. zum Kohl Rodeo hochschiesst. Im Tal hatte sich knapp unter Startplatzniveau eine dicke Inversion breit gemacht, die erstmal weggeheizt werden musste. So stabil habe ich es in den Dolomiten noch nicht erlebt. Von 12 – 13:30 Uhr hockten wir am SW-Startplatz, ohne dass auch nur nennenswerte Thermikabslösungen durchgingen.

Um 14 Uhr haben Bernhard und ich uns dann rausgehauen, und es ging erstmal in guter alter Flachlandmanier im 0,4m Steigen darum nicht abzusaufen. Da hätt man jetzt jeden Windenabgleiter an einem Ozone Enzo rausschieben können, das war gemütlicher als bei Oma im Ohrensessel. Irgendwann sprang die Thermik dann noch etwas an, und es ging an den Felswänden von Sella und Pordoi entlang zum Sightseeingfliegen. Jedes mal aufs neue wieder spektakulär an den Wänden dieser einzigartigen Gebirgskette zu fliegen.

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Am Montag sahs dann oben schon wesentlich besser aus, die Inversion war weg, dafür zogen die ersten Cirren auf. Letztes Jahr hatten Andi und ich schonmal so eine Wetterlage, aber dann wurde es am Nachmittag noch ein super Flug. Dieses mal leider nicht. Am Nachmittag grossflächig Cirrostratusbedeckung, so wurde es nur ein verlängerter Abgleiter.

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Am Dienstag sahs aber dann wirklich richtig brauchbar aus. Die Thermik setzte früher ein, und ein früher Start am SO-Startplatz schien möglich. Wer das Gebiet um den Col Rodella kennt weiss, dieser Startplatz ist für sehr frühe Starts kein Problem, ab ca. 11:30 Uhr wirds aber ziemlich anspruchsvoll. Wenn der Grödener Talwind aus Norden anspringt, dazu die Thermik aus dem Ostkessel, plus erste Thermik von den Südflanken und Rotoren vom Fassatalwind, dann kanns schonmal sehr sportlich werden. Um kurz vor 12 Uhr zeigte der Windspion vor Ort Südwind an, der Windsack Nord, dazu Ablösungen aus dem Ostkessel, und so hats einen Poisenpiloten lehrbuchmässig vorm Ostkessel abmontiert. Mit großem Glück ist der Pilot wohl unverletzt geblieben, es zeigt aber wie turbulent diese Ecke werden kann.

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Als von der Nordseite dann noch ein Dustdevil abging sind Bernhard und ich rüber zum SW-Startplatz gelaufen. Dies ist in meinen Augen noch der überschaubarste Startplatz vor Ort. Vorm Rodella konnte man nach dem Start schnell Höhe machen, danach Querung an die Kofelgruppe, deren Überflug mit Blick auf Seiser Alm, Lüsen, Kronplatz und zum Alpenhauptkamm schon immer die Reise wert ist. Danach schöner Weiterflug zum Rosengarten und zurück. Im Verlauf des Fluges verschlierte es erneut zunehmend, so bin ich bei schwächelnder Thermik nach 2,5 Std. landen gegangen. Flug war trotzdem schön, zu beeindruckend sind die optischen Erlebnisse.

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Tja, so geht sie wohl zuende, die Alpenflugsaison. Ich hoffe auf einen schönen Herbst in unseren heimischen Mittelgebirgsfluggebieten, damit wir uns mit dem durchwachsenen Sommer noch versöhnen können.

PS: Kurz vor Redaktionsschluss erreicht mich die Meldung, dass in einem Nordgelände rund um Eschwege ab Frühjahr 2013 der PWC…ähh, diese Meldung muss erst noch geprüft werden. Achsoo, falls jemand demnächst nach Aue will, ich komme mit!!

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