Sillian 2011

Die Osterwetterlage bescherte dieses Jahr wieder mal die besten Flugaussichten in den östlichen Südalpen, und so fiel die Entscheidung ins Hochpustertal zu fahren, genaugenommen nach Sillian in Osttirol, nicht schwer. Ich hatte vor Ort sehr kurzfristig noch zwei Ferienwohnungen klar gemacht, immerhin waren wir dieses mal zu neunt. Das Wohnen war wirklich sehr günstig, 70 Euro für 4 Nächte pro Person, das ist schon sehr preiswert. Dafür war Selbstverpflegung angesagt, aber der nächste Hofer war nur wenige Minuten entfernt, und Karfreitag ist in Österreich kein Feiertag, also alles kein Problem.

Der Anreisetag (Gründonnerstag) war leider auch noch ein Arbeitstag, und der hatte bei mir stresstechnisch nochmal richtig was zu bieten. Und als zum Nachmittag hin die EDV in unserer Klinik langsam in die Knie ging, und ich noch nen Arsch voll Organisationsarbeit machen musste, da stieg mein Blutdruck langsam in dampfkesselartige Regionen. Um halbvier konnte ich dann endlich den Abflug machen, sodass Klaus und ich gegen 16 Uhr aufbrechen konnten. Alle anderen trudelten dieses mal zu den verschiedensten Zeiten ein, sodass wir mehr Autos nehmen mussten, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. Seis drum, gegen Mitternacht waren wir ohne wesentliche Verzögerungen in Sillian angekommen, Andi, Hanka u. Ralph waren schon da, Rene, Dana, Sandra u. Markus sollten am Freitagvormittag folgen.

Um 1 Uhr ins Bett, um 6 Uhr schon wieder wach, das war ne kurze Nacht, aber das Wetter da draussen war schon super. Nach kargem Frühstück gings um 9:30 Uhr gleich los zur Bergbahn. Oben am Thurntaler angekommen wurde allmählich immer klarer, das könnte wetter- und flugtechnisch ein richtig guter Tag werden. Um 11:30 Uhr waren Klaus, Andi, Ralph u. ich alle gestartet, und der Bart vorm Startplatz hat uns gleich an die Basis gedübelt, die man, wenn man nicht wollte, so schnell nicht verlassen brauchte. Nach 3-4km Flug war man schon in Südtirol, und dann gings die nächsten 30km im Delphinstil, mit wenig kurbeln, immer unter der 3000m hohen Wolkenbasis gen Westen. Ralph u. ich drehten in Bruneck am Eingang zum Tauferer Tal um, Andi flog noch bis über Pfalzen weiter.

sil4

Der Rückweg dauerte dann doppelt so lang, gegen den Ostwind gings einfach nicht so schnell. Nach 2 Stunden Flugzeit dümpelten Ralph u. ich nach einer Talquerung 100m über Gratniveau umher. Ich hatte nen ordentlichen Konzentrationshänger und flog ein paar Minuten etwas ziellos umher, als Ralph sich schräg versetzt von einen Hammerbart verschlingen liess . Als ich nach ein paar Min. rumdümpeln wieder nach Ralph Ausschau hielt, war er locker schon 1000m über mir. Mit 10m/s integriertem Steigen hatte es ihn gen Basis geballert, sein Vario hatte von Stakkatopipsen auf Dauerton umgeschaltet, nichts für schwache Nerven. Ich konnte relativ zügig mit etwas weniger Steigen wieder Anschluss gewinnen, und weiter gings zurück Richtung Thurntaler.

Die Basis war mittlerweile auf 3600m angestiegen, und man brauchte beim Fliegen keinen Meter davon verschenken, die Steigwerte waren einfach gigantisch, und man konnte stets sehr hoch fliegen. Man muss aber trotzdem sagen, die Bedingungen waren frühjahrsthermisch anspruchsvoll und in meinen Augen für ungeübte Thermikpiloten zu heftig. Nach 3 Stunden und 70km waren Ralph und ich zurück und hoch überm Thurntaler. Man hätte nun prima nach Osten weiter Richtung Lienz fliegen können, aber nach dem anstrengenden Anreisetag und der kurzen Nacht waren meine Kräfte zuende und ich flog über die Talmitte Richtung Landeplatz.

sil5

Über dem Tal wars auch noch ziemlich thermisch, sodass das Runterkommen wieder mal mühsam war. In 30m Höhe stand ich im 40er Talwind und mein Schirm machte leichte Rückwärtsfahrt, sodass ich nochmal den Beschleuniger betätigen musste, was ich in Bodennähe sehr ungern mache, ansonsten wär ich aber zwischen zwei Häuserreihen neben einer im Garten sitzenden Rentnerin eingelandet, und das wollte ich dann doch nicht.

Ralph ist nach Osten noch 10km weitergeflogen und kehrte dann um. Andi hatte es gegen den Ostwind nicht mehr ganz zurückgeschafft, mit 80km aber auch einen tollen Flug gemacht. Per Anhalter hat er sich die letzten Kilometer mit zurück nehmen lassen. Am LP haben wir dann auch Dana, Rene u. Hanka getroffen, und Klaus, der etwas früher landen musste 🙂

Am nächsten Morgen sind wir zur ortsansässigen Flugschule Blue Sky gefahren. Unter unseren Fliegern war die grosse Testwut ausgebrochen, sodass eigenes Gerät neuesten Testschirmen weichen musste. Am Thurntaler war nicht an Fliegen zu denken, es war im Tal zu windig. Also gings rüber nach Obertilliach, was nur 20-Autominuten entfernt liegt. Der Startplatz heisst Golzentipp, und ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt für Streckenflüge auf die Rennstrecke Hochpustertal. Am LP war tatsächlich angenehmer Wind, und oben am Startplatz wunderbare Bedingungen.

sil3

Viele Flieger hatten den Weg vom Thurntaler hier rüber gefunden, was aber bei dem riesigen Startplatz kein Problem darstellt. Die Basis war mit 3000m auch wieder gut hoch, sodass wir zwischen 20 u. 40km fliegen konnten, gute Bedingungen für alle mit Testschirm, Andi und Ralph den neuen Summit XC2, Klaus den Ozone Mantra M4. Ich bin da ja ziemlich konservativ und habe meinen kleinen Blue natürlich nicht verschmäht. Abends haben wir hinterm Haus grilliert und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

sil6

Am Sonntag war dann der mittelprächtigste Flugtag von dreien, mit prognostiziertem Nordwind, da fiel die Wahl des Fluggeländes auf den Kronplatz, Fahrzeit 45 Min. von Sillian nach Bruneck. Aber eins muss man diesem prägnant in der Landschaft rumstehenden Berg ja zugestehen, die Aussicht von oben ins Puster- u. Tauferer Tal ist immer wieder aufs neue schön. Und obwohl der Himmel schon ziemlich wolkenverhangen war konnte man noch 30-60 Min. thermisch fliegen.

sil1

Beim Landebier kam sogar wieder die Sonne raus, und eine von Pannen und Kuriositäten beladene Biergartenbedienungsdame versuchte irgendwie ihrer Aufgaben als Bewirterin gerecht zu werden, sie scheiterte leider kläglich. Aber vielleicht war das auch versteckte Kamera. Oder eine betriebsinterne Testreihe mit dem Wettbewerb: „Wie schaffe ich es mit Sicherheit kein Trinkgeld zu bekommen und den Gast, von dem Gedanken bald wiederzukommen, so weit wie möglich zu entfernen“…dabei lag sie mit grosser Wahrscheinlichkeit uneinholbar auf Goldmedaillenkurs, herzlichen Glückwunsch 🙂

sil2

Montag war dann Abreisetag. Hanka konnte bei Blue Sky noch ihre Prüfung ablegen und ist damit jetzt auch A-Schein-Pilotin. Das waren schöne Ostern, tolle Flüge und gutes Wetter.

 

Top