Stubnerkogel Juni 2014

10.06.2014

Ich war schon langsam am resignieren, warum sich daß tolle Flachlandwetter nicht mal in den Alpen breit macht. Ich hatte schon richtig Zeit dieses Jahr, und stets war es zuhause besser als weiter im Süden. Aber zum Pfingstwochenende hin wurden die Prognosen immer besser, und dann gabs auch kein Halten mehr. Donnerstag war noch Frontwetter, also ab mit Andi und Ralph auf die Autobahn, und am Freitag gings dann richtig los. Ziel war das Gasteiner Tal mit dem nach Osten ausgerichteten Stubnerkogel.

Die Pension hatte ich in Bad Gastein reserviert, 5 Min. Fußmarsch von der Talstation zum Stubner entfernt. Ein ewiges Ärgernis bleiben die in Österreich gereichten PU-Semmeln, millionenfach ausgeliefert von der BASF in österreichische Gästehäuser. Da könnt man sich auch nen Stück Preßpappe zwischen die Zähne schieben, geschmacksneutral und Nährwert gleich null. Mit kargem Frühstück, aber ein paar Bananen im Gepäck gings also um 9:30 Uhr mit der Bahn auf den Stubner, wo die ersten Streckencracks schon am Aufdrehen waren. Die nach Osten ausgerichtete 2200m hohe Bergflanke ist ideal für frühe Starts und damit für große Aufgaben.

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Die Flugroute sieht so aus, daß man nach Aufdrehen am Stubner nach NW zur Schlossalm quert, danach die Ridge gen Norden abfliegt. Am Ende des Gasteiner Tals am Bernkogel ordentlich Höhe macht und das Tal über Taxenbach hinweg nach Norden quert. Nach der Querung erstmal wieder aufdrehen, danach gehts weiter nach Westen. Querung Zell am See ins Pinzgau Richtung Wildkogel. Im Pinzgau an beliebiger Stelle Querung auf die Südseite, zurück bis zur Westseite vom Gasteiner Tal, Sprung hinüber und zurück zum Stubnerkogel.

Hat auch genauso geklappt, schwupps nach 6 Stunden wieder zurück und alle drei über 100km flaches Dreieck. Unterwegs war es zunächst blau und erst später etwas Wolkenthermik. Dadurch war es auch bockig und arbeitsintensiv. Nach 5,5 Std. beim Queren der Westseite vom Gasteiner Tal standen Bärte mit unglaublicher Energie. Ich wollte nur noch zum Stubner abgleiten, stattdessen hats mich wieder in den Orbit genagelt als gäbs kein morgen mehr. Hatte am nächsten Morgen mit einem einheimischen Piloten geredet, der hats in tiefem österreichischem Dialekt bestätigt: Da gehts am Abend z.T. mit 10m nach oben, ja bists deppert!

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Ziemlich zufrieden sind die drei Mentorboys also am Freitagabend eingeschlummert, und am Samstagmorgen sollte sich noch Bernhard der alte Flachlandauswanderer dazu gesellen. Leider war um Salzburg Pfingsstau, sodass wir ihn erst später zu Gesicht bekommen sollten. Als Frühaufsteher hab ich um 6 Uhr ne Laufrunde in frischer Alpenluft eingelegt und um 7 Uhr nach einer neuen Flugroute gesucht. Dieses mal sollte ein FAI-Dreieck her. Der Plan sah vor, nach der Taxenbachquerung nach Nordosten zum Hochkönig zu fliegen, 2. WP bei Uttendorf im Pinzgau und Flug zurück zum Ausgangspunkt.

Andi und ich drehten schon an der Basis, als Ralph noch am Start zugange war, also gings schonmal los. Der Tag war spitze, endlich richtige Wolkenthermik mit satten Steigwerten und nicht so ruppig wie die Vortags-Blauthermik. Der übliche Weg Bernkogel, Taxenbach ging wie die Wutz, aber dann wurde es schwierig. Der Weg zum Hochkönig war blau, über tiefe Hügel und weit. Mit wenig Höhe kamen wir am Hochkönig an, der vorgelagerte Bereich relativ flach mit Bäumen und einer Hochspannungsleitung trappiert, mein Puls war gleich 30 Schläge höher. Dazu deutlicher Talwind aus West und nur sehr schwaches Steigen. Mit ein klein wenig Höhe haben Andi und ich uns an die Felswand rangehangelt, da gings richtig rund, bockig, leeig und turbulent, unten flaches auslaufen, der Fluchtweg weit mit Stromleitung, mein Puls war jetzt richtig auf Touren.

Erstmal weg von der Felswand und raus aus dem Lee gings in einem sehr versetzten Bart langsam wieder höher, aber wir haben ihn immer wieder verloren. Ca. 45 Min hats gedauert bis erst Andi und dann ich endlich wieder Höhe machen konnten und in nervenschonendere Gefilde entfliehen konnten. Das war nicht sehr geschickt und hat mich auch richtig geärgert.

Mit 3000m Ausgangshöhe gings dann aber sehr gut weiter, Querung Zell am See bis zum 2. WP vor Uttendorf, dann rüber auf die Südseite und Weiterflug nach Osten. Das Fluggefühl war großartig mit super Wolkenthermik. An einer Westrippe kam ich ein paar Min. vor Andi an, und als der Bart mich wieder ausspuckte konnte ich ihn nur noch als kleinen Punkt wahrnehmen.

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Wenn man im Pinzgau auf der Südseite fliegt, dann ist das schon Panoramafliegen in Hauptkammnähe. Am Kitzsteinhorn habe ich erstmal ausgiebig die Aussicht genossen. Es waren übrigens unglaublich viele Segelflugzeuge unterwegs. Und die scheinen durchaus Spaß zu haben relativ dicht an die für sie ortsfesten Teebeutelflieger heranzufliegen. Ich habe auf jeden Fall etlichen Piloten in die Kanzel schauen können, und es kam einige male vor, dass überm Zeller See einer mit 100m unter mir durchgezischt ist. Gerne drehen sie auch beim entgegenkommen rechtzeitig aber spät ab, ist man auf jeden Fall wieder wach danach.

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Nach Überqueren der Westseiten ins Gasteiner Tal zum Glück dieses mal nur 5m Steigen, und Freude über 109km FAI, Ralph und Bernhard 150/160km flaches Dreieck. Abends alle Mann zusammen essen gegangen, und das Abendessen war zum Glück dem Frühstück um Welten überlegen.

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Nach 2 Tagen langer Flüge war ich am Sonntag ziemlich unmotiviert. Andi war früh gelandet und später nochmal am Fulseck hochgefahren, ein Weststartplatz am Eingang des Gasteiner Tals. Ich bin nach 60km mitten im Pinzgau landen gegangen, ich war geistig müde, wollte mich nicht mehr anstrengen und bin dann runter. Zusammengepackt, zum nächsten Bahnhäuschen gestiefelt und auf die Bahn gewartet, und gewartet, und gewartet. 2 Stunden Verspätung. Bei einer Gluthitze im Tal hatte sie einen Motorschaden und musste erst vom Gleis gezogen werden. Irgendwann kam sie, die Bahn, 30 Min. Rückfahrt nach Zell am See. Dort 30 Min. warten, und danach nochmal 1,5 Std. Rückfahrt bis Bad Gastein. 5 Stunden hats gedauert, bis ich wieder zurück war. Unglaublich, in dieser Zeit steht man von Nordhessen aus am Tegelberg, und ich war nur in ein anderes Tal abgebogen. Wär ich Depp mal zurückgeflogen.

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Die Sache so richtig ernst genommen hatte eigentlich nur Ralph. Am Vorabend hatten wir nochmal von der suboptimalen Route östlich zum Hochkönig abgeraten. Er ist dann westlich geflogen und hat in 7 Stunden ein hammermässiges 140km FAI-Dreieck rausgehauen. Ein würdiger Abschluß für ein großartiges langes Pfingstwochenende.

Wann gehen wir wieder fliegen? Ich hätt schon wieder Lust…

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